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Nach zweijähriger Zwangspause findet die Wiesn 2022 wieder statt – Peter Inselkammer spricht über Neuerungen auf dem Oktoberfest.

Alles neu auf der Wiesn?

Datum: 10.05.2022Quelle: Platzl Hotel | Bilder: franky242/Colourbox.de, Platzl Hotel | Ort: München

Wiesn-Wirt Peter Inselkammer, Eigentümer des Armbrustschützenzelt und des Platzl Hotel in München, blickt voller Freude auf das Oktoberfest 2022, das vom 17. September bis 3. Oktober 2022 stattfindet. Im Interview spricht er über das Gefühl, nach zwei Jahren Zwangspause wieder auf der Wiesn durchzustarten und darüber, welche Neuerungen es auf der 187. Wiesn geben wird.

Peter Inselkammer im Interview

Die Wiesn hautnah zu erleben ist für den Eigentümer des Armbrustschützenzeltes und Sprecher der Wiesn-Wirte Peter Inselkammer eine seiner größten Leidenschaften. Nach zwei Jahren Zwangspause geht es für ihn endlich wieder los. Doch lässt sich der Motor des Oktoberfests einfach wieder starten?

Wiesn-Wirt und Eigentümer des Armbrustschützenzelt Peter Inselkammer
Wiesn-Wirt und Eigentümer des Armbrustschützenzelt Peter Inselkammer

Herr Inselkammer, zwei Jahre kein Oktoberfest sind eine lange Zeit. Wie haben Sie und die anderen Wirte die lange Durststrecke überbrückt?

Erst einmal galt es, den Schock der Wiesn-Absage zu verkraften. Besonders aufreibend war das Zusammenspiel aus Ungewissheit, Hoffnung und Phasen der Ernüchterung. In der Wiesn steckt ja enorm viel Vorbereitung – wir fangen mit den Planungen bereits im Februar an. Fast könnte man sagen, wir haben mit der Hoffnung auf die Wiesn die Durststrecke überbrückt, denn die war gleichermaßen bis zur Absage oder – wie jetzt, bis zur Zusage – immer da.

Beschäftigt waren wir damit, uns Gedanken zu machen, wie wir die Zeit überbrücken und über die Runden kommen konnten. Wie konnten Kosten reduziert werden etc. Es hat ja auch jeder der Wirte noch einen anderen Betrieb hinter seinem Zelt stehen, der Mitarbeiter in Beschäftigung gehalten hat, aber leider auch größtenteils stillstand. Doch wir haben uns nicht entmutigen lassen und aus der kreativen Zusammenarbeit der Wiesn- und Innenstadtwirte ist die WirtshausWiesn entstanden. Ein schönes Projekt, das wir dann doch noch in sehr kurzer Zeit realisieren konnten. Ein echter Wiesn-Wirt lässt sich halt nicht so einfach unterkriegen!

Wie fühlt sich das an, endlich wieder Wiesn nach zwei Jahren Pause?

Im Thema sind wir auf jeden Fall, wir haben uns schließlich Jahr für Jahr viele Gedanken um die Wiesn gemacht. Ob wir etwas eingerostet sind, wird sich zeigen – vielleicht werden ein paar Prozesse nicht gleich auf Anhieb rundlaufen. Doch ich bin davon überzeugt, dass sich in der Praxis alles schnell wieder einspielen wird. Ich bin sehr gespannt, sobald der Aufbau losgeht, was dann doch noch auf uns zukommt – das wird bestimmt nochmal eine interessante Phase.

Zudem stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen, die wir so bisher noch nicht kannten, wie etwa der Rohstoffkrise – simple Bestandteile sind nicht mehr wie gewohnt lieferbar. Da heißt es jetzt, Dinge ganz neu denken und neue Lösungen zu finden.

Was gibt es Neues im Zelt?

Wir starten dieses Jahr mit einem neuen elektronischen Abrechnungssystem. Das wird die nächste Herausforderung für uns, da auch die Mitarbeiter sich hier auf Neuerungen einstellen müssen. Auf der Wiesn hat man keine Möglichkeiten, so etwas nach und nach einzuführen und ausgiebig zu testen. Da fällt der Startschuss erst vor Ort und wir hoffen, dass alles problemlos läuft. Zur Sicherheit haben wir unsere alten Prozesse noch parat und können auch „hybrid“ laufen. Außerdem wurde unser Reservierungssystem digitalisiert: Inzwischen sind Online-Reservierungen und -zahlungen möglich, etwa per PayPal.

Gesellschaftlich hat sich in der Zeit eine ganze Menge getan. Muss sich auch die Wiesn neu erfinden?

Die Wiesn erfindet sich immer ein Stück weit neu. Jedes Jahr verändert sich ein bisschen was und wir versuchen uns natürlich auch kontinuierlich zu verbessern. Das reicht von internen Prozessen bis hin zu neuen gesellschaftlichen Anforderungen.

Uns beschäftigt derzeit beispielsweise das Thema „Nachhaltigkeit auf der Wiesn“ sehr. In vielen Dingen sind wir bereits Vorreiter. So schreiben wir u. a. auch das Thema Müllvermeidung ganz groß oder beziehen von der Stadt München ausschließlich Ökostrom. Darüber hinaus müssen wir unsere Speisekarten jedes Jahr neu denken und uns die Frage stellen, ob auch unsere Gäste anspruchsvoller geworden sind, was die Herkunft der Lebensmittel und Alternativen wie vegetarische oder vegane Gerichte angeht.

Im Jahr 2019 kamen 6,3 Mio. Besucher auf das Oktoberfest, der Rekord liegt bei 7 Mio. Mit welchen Zahlen rechnen die Wiesn-Wirte 2022?

Wir rechnen tatsächlich mit ähnlichen Zahlen wie 2019. Seit wir wissen, dass die Wiesn stattfindet, hat sich die Nachfragesituation noch einmal verstärkt; das Interesse ist tatsächlich sehr groß!

Denken Sie, es wird eine geografische Verschiebung in der Gästestruktur geben? Also etwa mehr lokale und weniger internationale Gäste?

Die Münchner Gäste und die aus dem Großraum München waren schon immer der Haupttreiber der Wiesn, sie werden es in meinen Augen auch zukünftig bleiben und das ist gut so. Wir gehen davon aus, dass das internationale Publikum dieses Jahr noch nicht so stark zurückkommt. Das kann dazu führen, dass vermehrt Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Wiesn besuchen – und insbesondere natürlich die Münchner.

Was machen Ihre Stamm-Mitarbeiter nach der Pandemie-Zeit? Sind alle wieder mit dabei oder müssen Sie das Personal neu aufbauen?

Wir haben unsere Stamm-Mitarbeiter frühzeitig angefragt und viele werden mit großer Begeisterung wieder dabei sein. Leider ist es natürlich auch bei uns so, dass einige der Gastronomie den Rücken gekehrt haben und daher auch nicht mehr auf der Wiesn arbeiten. Doch es zieht jedes Jahr immer wieder viele neue Arbeitskräfte zur Wiesn, die wir herzlich willkommen heißen.

Was man hierbei natürlich nicht vergessen darf: Wir sind auf der Wiesn nichts anderes als ein Arbeitgeber. Und die Attraktivität als Arbeitgeber muss selbstverständlich auch hier gegeben sein! Auch wenn man nur zweieinhalb Wochen im Jahr zusammenarbeitet, entsteht doch eine Verbundenheit zum Unternehmen und den Kollegen. Daher ist es für uns wichtig, die Leistung unserer Mitarbeiter auch persönlich wertzuschätzen.

Redaktion GastroInfoPortal

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