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Es wird einen weiteren Lockdown geben. Aber wie denken Gastgeber eigentlich über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung? Wir haben nachgefragt!

2. Lockdown: So denken Gastronomen darüber

Datum: 02.11.2020Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit | Bilder: Unsplash, Waldgasthof Buchenhain, privat | Ort: München

Seit dem 28. Oktober ist klar: Es wird einen weiteren Lockdown geben, der das Gastgewerbe dazu zwingt, die Türen erneut zu schließen. Aber ist die Branche überhaupt für einen weiteren Lockdown gerüstet? Wie lange können sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten? Und wie denken sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung? Wir haben in der Gastronomie nachgefragt!

So denken Gastgeber über den erneuten Lockdown

Die Gastgeber des Waldgasthofes Buchenhain: Stefan Kastner und Rina den Drijver

Stefan Kastner, Gastgeber im Waldgasthof Buchenhain

Sind Sie für den Lockdown gerüstet? Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?

Wie schon im März fahren wir wir alles runter und passen uns den Gegebenheiten an. Staatliche Hilfen werden komplett in Anspruch genommen, Essen-to-go, Lieferung und Onlinehandel werden forciert. Kurzarbeit wird es in allen Teilbereichen geben. Niemand wird entlassen, jeder Mitarbeiter wird seine Unterkunft behalten und erhält weiterhin seine Verpflegung. Neue Beschäftigungsfelder werden sich für einzelne Mitarbeiter auftun. Mini-Jobber und Teilzeitkräfte bleiben erst einmal zuhause. Unsere drei großen Vorteile: viel Platz, keine Pacht und nur ein ganzheitlicher Betrieb. Wir können das Gott sei Dank noch länger durchhalten, Gespräche mit den Banken müssen aber auch wir führen.

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung?

Die Maßnahmen sind in fast allen Bereichen verständlich und nachvollziehbar. Allerdings sind wir der Meinung, dass eine Schließung der Gastronomie nicht notwendig ist und eher kontraproduktiv (man triff sich vermehrt wieder privat). Schärfere Kontrollen im Sommer und einheitliches Vorgehen der Länder hätte einiges verhindern können. Wir haben kein Verständnis für Hochzeiten, die mit vielen Gästen als Veranstaltung angemeldet werden konnten. Wir werden über kurz oder lang lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Immer wieder einen neuen Lockdown einzubauen wird nicht die Lösung sein.

Welche Unterstützungs-Maßnahmen sind im Falle des zweiten Lockdowns Ihrer Meinung nach zwingend erforderlich?

Das was im Vorfeld nun angedacht ist, sollte in unserem Fall ausreichen. Ich kann aber immer nur für unseren Betrieb sprechen und kann mir vorstellen, daß die Vorzeichen für jeden Betrieb anders sind.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um den eigenen Betrieb zu sichern?

Zu den bereits oben genannten Maßnahmen werden wir versuchen, positive Stimmung zu verbreiten, um unsere Mitarbeiter, aber auch unsere Gäste einigermaßen bei Laune zu halten: Perspektiven aufzeigen, Halt geben und Unterstützung anbieten, zumindest dort, wo es geht. Wie beim ersten Lockdown werden wir auch diesmal die Zeit nutzen, um uns noch besser zu positionieren. Wir nehmen die Herausforderung an, stellen uns dem Problem und schauen nach vorne.


Andrea Belegante, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Systemgastronomie e.V. (BdS)

Andrea Belegante, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Systemgastronomie e.V. (BdS)

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung? Was halten Sie von dem erneuten Lockdown?

Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich damit leider bestätigt. Bei den Beschlüssen zur Schließung von Restaurants kann von “zielführend”, “verhältnismäßig” oder “nachvollziehbar” absolut keine Rede sein. Unsere Branche wird erneut in einen Lockdown geschickt, obwohl unsere Restaurants keine Infektionstreiber sind und unter strengsten, behördlich genehmigten Hygienekonzepten arbeiten.

Welche Unterstützungs-Maßnahmen sind im Falle des zweiten Lockdowns Ihrer Meinung nach zwingend erforderlich?

Die Politik muss nun endlich wirksame und langfristige finanzielle Hilfe leisten und die allgemeine Mehrwertsteuerreduzierung über den 31. Dezember 2020 sowie gleichzeitig die Mehrwertsteuerreduzierung inklusive Getränke für die Gastronomie über den 30. Juni 2021 hinaus verlängern. Es stehen hier unternehmerische Existenzen, Arbeitsplätze und die gastronomische Vielfalt akut auf dem Spiel.


Oliver Fudickar, Präsident der Food & Beverage Management Association (FBMA)

Oliver Fudickar, Präsident der Food & Beverage Management Association (FBMA)

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung? Was halten Sie von dem erneuten Lockdown?

Wie kaum eine andere Branche haben die Kollegen mit all ihrer Kraft reagiert und ihre Betriebe in Rekordzeit auf Corona-Kurs gebracht. Mehr noch: Viele haben in der Krise investiert und somit die Voraussetzungen geschaffen, dass man sich sicher fühlen darf. Und doch dreht man der gesamten Branche sukzessive den Saft ab. Man beraubt Menschen, für die Gastfreundschaft mehr ist als ein Schlagwort, ihrer Ideale und ihrer Existenz.

 

 

 

Herzlichen Dank für Ihre Meinung!

Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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