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Chatbot „Marc“: Interview mit den Entwicklern

Datum: 21.01.2019Quelle: Gastrofix, hogafuture | Ort: München

Mit der Ankündigung, an der Entwicklung eines neuartigen, KI-basierten Chatbots zu arbeiten, sorgten das niederländische Tech-Start-up Table Duck und Gastrofix vor kurzem für Aufsehen. “Marc”, so lautet der Name des Bots, soll den Bestell- und Bezahlvorgang in Restaurants übernehmen können und so das Personal entlasten. (s. Beitrag vom 08.01.)

Die Autoren Lisa Kretz und Wolfgang Robben veröffentlichten nun auf ihrem Blog hogafuture ein Interview mit den beiden Gründern von Table Duck (s. Bild):

Robbert und Mathijs, ihr habt im Herbst 2017 das Unternehmen Table Duck gegründet. Wie kam es dazu?
Robbert Bregman: Ich dachte schon länger darüber nach, wie man den Service in der Gastronomie besser und vor allem schneller hinbekommt. In meinem Kopf schwirrte damals noch so etwas wie eine Bestell-App für Musikfestivals herum.

Mathijs Broeks: Zu der Zeit war ich einmal auf der SXSW South by Southwest, einer großen Tech-Konferenz in Austin Texas, und nahm an einem Vortrag über Chatbots teil. Alle Bots, die dort gezeigt wurden, waren zwar lustig, für kommerzielle Zwecke aber vollkommen ungeeignet. Trotzdem war ich fasziniert von den Möglichkeiten und nahm sie als Inspiration mit nach Hause. Als ich Robbert davon berichtete, waren wir uns schnell einig: Das könnte die ideale Technologie sein, um Robberts Idee zu realisieren. Also beschlossen wir, eine Firma zu gründen. Das war die Geburtsstunde von Table Duck.

Was hättet ihr sonst entwickelt, wenn nicht “Marc”?
Broeks: Auf jeden Fall auch einen Chatbot! Dann aber wahrscheinlich für Kunden aus der Versicherungs- und Finanzbranche, die ich mit meinem zweiten Unternehmen bis heute betreue.

In der Tat arbeitet ihr beiden parallel auch noch in euren “normalen” Jobs. Wie kriegt man diese Doppelbelastung unter einen Hut?
Bregman: Stimmt. Ich arbeite nach wie vor für Unilever, wo ich neue Geschäftsmodelle entwickle. Wenn es mit Table Duck aber weiter so rasant vorangeht, werde ich diesen Job wohl irgendwann an den Nagel hängen.

Broeks: Ich leite eine kleine Internetagentur mit einigen ziemlich großen und bekannten Kunden. Hier kann ich jeden Tag neue Techniken ausprobieren und verbessern. Ich sehe die Doppelbelastung daher positiv, weil ich mir in Job A viel Wissen aneigne, das ich in Job B einbringen kann.

Mittlerweile seid ihr mit der Programmierung von “Marc” ja schon ziemlich weit und werdet den aktuellen Stand im März auf der Fachmesse Internorga in Hamburg erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Was fehlt noch zur endgültigen Marktreife?
Broeks: Definitiv das Onboarding bei neuen Kunden. Im Moment ist das noch reine Handarbeit, die wir so schnell wie möglich automatisieren müssen.

Bregman: Besseres Deutsch! Weder Mathijs noch ich sind Muttersprachler, was bei der Programmierung der deutschen Chatbot-Version oft eine Herausforderung ist. Zum Glück erhalten wir tatkräftige Unterstützung von Menschen aus Deutschland, darunter den Leuten bei Gastrofix.

Viele Medien haben ja in den letzten Tagen über euch und euren Chatbot berichtet. Wart ihr davon überrascht?
Bregman: Vielleicht von der Vielzahl der Meldungen. Aber insgeheim haben wir natürlich auf ein breites Echo gehofft, schließlich haben wir etwas wirklich Interessantes und Neues entwickelt. Die vielen positiven Reaktionen zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auch wenn es auf jeden Fall noch einiges zu tun gibt.

Was glaubt ihr, woher kommt das große Interesse?
Broeks: Zum einen daher, dass noch niemand die Möglichkeiten von Bots so weit ausgelotet hat wie wir. Dass Gäste über den Facebook Messenger bestellen und bezahlen, das ist wirklich neu.

Bregman: Und zum anderen wird es immer schwerer, gutes Personal zu finden. Dieses Problem lässt sich mit modernster Technologie abmildern, wenn nicht sogar lösen. Das erkennen auch mehr und mehr Gastronomie-Betreibende und werden offener für neue Tools.

Gab es bereits erste Anfragen?
Broeks: Ja. Bei uns haben sich Unternehmen aus Deutschland, den Niederlanden und sogar den USA gemeldet, die “Marc” gerne nutzen möchten. Wahnsinn!

Wo glaubt ihr, wird “Marc” erfolgreicher sein: in Deutschland oder den Niederlanden?
Bregman: Ich glaube, in Deutschland. Einfach weil es sich um einen viel größeren Markt handelt und Gastrofix dort ein bekannter Player ist. Und die Anbindung an die Kasse ist schließlich die wichtigste Voraussetzung, damit “Marc” reibungslos funktioniert.

Broeks: Ich denke eher, dass der niederländische Markt mehr Potenzial hat. Das hat auch etwas damit zu tun, dass Mobile Payment dort schon deutlich weiter verbreitet ist. Aber wenn wir in Deutschland die richtigen Zielgruppen ansprechen, werden wir auch hier erfolgreich sein.

Habt ihr manchmal Angst, dass euch “Marc” in Sachen Intelligenz über den Kopf wächst?
Broeks: Nein, zumindest nicht kurzfristig. Die Art und Weise, wie Künstliche Intelligenz arbeitet, erfordert immer noch zu viel menschlichen Input. Sobald die KI aber wirklich von selbst lernen kann, ohne dass der Mensch eingreift, haben wir alle ein Problem.

Bregman: Das wäre ziemlich cool. Im Moment ist “Marc” aber noch ein kleines Kind, das ganz viel lernen muss.

Wie sehen die nächsten Schritte aus und wo seht ihr euch in fünf Jahren?
Bregman: Wir müssen das Verständnis des Chatbots jetzt weiter verbessern. Unser Ziel ist, dass “Marc” Gäste in- und auswendig kennt und ihnen intelligente Empfehlungen gibt. Damit er seinem Boss, also dem Gastronomie-Betreibenden, viel Freude in Form von zusätzlichen Umsätzen bereitet. Ich glaube, in fünf Jahren sind wir dem ein großes Stück näher.

Martina Kalus / Gastroinfoportal

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