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Sandwich aus Vollkornbrot mit Käse,Tomaten,Hähnchenbrust und Salat

Vollkorn in der Schulverpflegung

Datum: 26.09.2019Quelle: Inhalt: Redaktion Schulverpflegung | Fotos: Colourbox.de, privat | Ort: München

Backwaren jeglicher Art sind aus der Zwischenverpflegung von Kitas und Schulen nicht wegzudenken. Doch welche Rolle spielen dabei auch Produkte aus Vollkorn? Wir sprachen mit der Dipl.-Oeocotrophologin Dr. Silke Lichtenstein über ihre Erfahrungen, die ideale Zusammenstellung sowie süße Snacks.

Backwaren aus Vollkorn

Oecotrophologin Dr. Silke Lichtenstein gibt Tipps zum richtigen Umgang mit Öl.Frau Dr. Lichtenstein, welche Rolle spielen Vollkornbackwaren in der Zwischenverpflegung von Kitas und Schulen?

Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass es viele Schulen und Kitas gibt, in denen Lebensmittel aus Vollkorngetreide rundum akzeptiert sind. Pumpernickel oder Schwarzbrot – so unbeliebt diese bei manchen älteren Menschen sind – werden wegen der leichten Süße vor allem von jüngeren Kindern gerne gegessen. Nicht wenige Kinder mögen die Vollkornvariante oder auch Backwaren mit Körnern und Saaten häufig sogar lieber als einfache Backwaren aus Weißmehl. In anderen Einrichtungen wird Vollkorn wiederum abgelehnt: In der Regel da, wo die Kinder nur Weißmehl gewohnt sind bzw. das Umfeld Vollkornprodukte ablehnt

Ist „Gewöhnung“ das Stichwort, wenn es darum geht, ob Vollkorn von Kindern und Jugendlichen gemocht wird?

Ganz klar: Wer Vollkorn nicht kennt bzw. nicht als etwas Angenehmes kennenlernt, mag Produkte daraus auch nicht – bei kleineren Kindern ist das vor allem eine Frage der familiären Vorbilder. In diesem Zusammenhang kann man regionale Unterschiede in der Akzeptanz feststellen, oder auch zwischen ländlichem oder städtischem Raum, die mit der lokalen Esskultur oder mit dem Ernährungsbewusstsein der Eltern zu tun haben.

Das gegenteilige Verhalten ist bei älteren Schulkindern zu beobachten – sie mögen ausgerechnet all das nicht, was es zuhause gibt und andersherum. Im Zuge der Ablösung vom Elternhaus ist das ganz normal, aber für den Absatz von Vollkorn & Co. in der Schulcafeteria mitunter schlecht.

Ist Vollkorn immer die bessere Wahl?

Natürlich punktet Vollkorn mit einem großen Anteil an Ballaststoffen, die nicht nur zur Sättigung beitragen, sondern die vor allem das gesamte Stoffwechselgeschehen in gesunder Balance halten. Dennoch kann ich nur dringend empfehlen, beim Essen und Trinken aus Gesundheit kein Thema zu machen und erst recht nicht, Druck auszuüben. Eltern wie auch Erzieher und Verpflegungsverantwortliche sollten nicht darauf beharren, dass zur „gesunden“ Vollkornvariante gegriffen wird, sondern dies vor- bzw. einfach zur Selbstverständlichkeit machen. Mit Gelassenheit und Beharrlichkeit ist die Chance größer, dass Kinder Vollkorn mögen.

In allen Kitas und Schulen sollte es ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Angebot geben, in dessen Rahmen sich die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden dürfen. Es bringt sehr wahrscheinlich nichts, Brötchen aus Weißmehl zu verbieten. Der persönliche „Geschmack“ ist etwas Formbares, und dieses Formieren ein sehr emotionaler Prozess – geprägt durch positive wie negative Schwingungen.

Wie können Kinder an vollkornhaltige Snacks herangeführt werden, ohne Ihnen diese „Wahl“ vorzuschreiben?

Sind Backwaren – gleich ob Vollkorn oder herkömmlich – lecker, üppig und appetitlich bunt belegt, machen sie Lust darauf, zuzugreifen. Denn am Ende entscheiden immer Geschmack und Genusswert. Es gibt Anwendungsbeispiele mit Nudging, bei denen süße Stückchen hinter einer Milchglasscheibe „verborgen“ angeboten werden und die Vollkornbrötchen, verschieden und ansprechend belegt, in erster Reihe zum „Kauf verführen“. Das sind simple Instrumente, die erstaunlich gut funktionieren.

Erhalten Kinder in Koch-AGs oder durch Rezeptwettbewerbe die Möglichkeit, selbst und unvoreingenommen mit Lebensmitteln zu experimentieren, werden Hemmschwellen abgebaut. Sie lernen Lebensmittel kennen, probieren diese im fröhlichen Miteinander und mögen sie dann meist auch. Vorausgesetzt, dass keine erhobenen Zeigefinger, gesundheitliche oder andere erzieherischen Interessen vermittelt werden. Dann kann der Effekt schnell ins Gegenteil umschlagen.

Volles Korn voraus

Das komplette Interview mit Dr. Silke Lichtenstein, Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild-Stiftung, und weitere Beiträge , z. B. zum Schulessen in Wien, finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Schulverpflegung.

Sarah Hercht / Redaktion Schulverpflegung

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