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Die True Costs von Bio-Lebensmitteln zeigen, dass diese weniger umweltschädich sind als konventionelle Lebensmitteln.

Sind Bio-Lebensmittel günstiger? #spürbargrün

Datum: 19.07.2022Quelle: Tollwood | Bild: Colourbox.de | Ort: München

Was kostet unser Essen, wenn wir die „wahren Kosten“ (True Costs) seiner Erzeugung in die Lebensmittelpreise einberechnen – etwa den CO2-Ausstoß und seine Auswirkungen auf den Klimawandel? Dieser Fragen gingen Experten vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Tollwood, Universität Greifswald, TH Nürnberg und Landesvereinigung für ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) im Rahmen des Tollwood-Festivals 2022 in München auf den Grund.

True Cost von Bio- & konventionellen Lebensmitteln

Auf dem Festivalgelände erläuterten Amelie Michalke von der Universität Greifswald und Prof. Dr. Tobias Gaugler von der TH Nürnberg die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten zu den externalisierten Kosten in der Landwirtschaft. Die Forschungsarbeit geht auf die Initiative von Tollwood zurück und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Das Forschungsvorhaben beziffert die Umweltfolgekosten der Nahrungsproduktion etwa für Fleisch, Käse und Gemüse anhand von Parametern wie Schadstoffausstoß (Nitrate, Stickstoff), Klimagasen und Landnutzungsänderung. Es liefert umfassende Preisdaten, auf deren Basis die Politik und Lebensmittelwirtschaft effiziente Maßnahmen zum Klimaschutz und Erhalt der Artenvielfalt ergreifen können. Tollwood ist Praxispartner und trägt die Ergebnisse in die Gesellschaft.

Amelie Michalke sagte:

„Die Forschung zu den externen Kosten in der Landwirtschaft zeigt: Wir brauchen den ökologischen Landbau als zukunftsfähige Form der Landwirtschaft. Der Öko-Landbau verursacht weit weniger Folgekosten für die Umwelt, die Gesundheit und die soziale Gerechtigkeit.“

Prof. Dr. Tobias Gaugler unterstrich:

„Neben geringeren Kosten für Umwelt und Gesellschaft erbringt der Bio-Landbau wichtige Ökosystemdienstleistungen, die eine gute Lebensmittelversorgung in Zukunft sichern helfen. All das sollte in den Preisen der Lebensmittel und in der Entlohnung engagierter Landwirtinnen und Landwirte wirtschaftlich abgebildet werden.“

Weniger Kosten durch Bio-Landwirtschaft

Der Naturland-Bauer, LVÖ-Vorsitzende und BÖLW-Landwirtschaftsvorstand Hubert Heigl wies darauf hin, dass Bio-Lebensmittel deutlich weniger externe Kosten verursachen als konventionelle Produkte. Und weil Öko-Bauern keine synthetischen Dünger und Pestizide einsetzen, ist der Ökolandbau auch weniger abhängig von fossilen Energien aus dem Ausland. Eine verstärkte Förderung von Bio mache Deutschland widerstandsfähiger gegen die Energie- und Klimakrise, schütze Artenvielfalt und Grundwasser und senke gesellschaftliche Kosten.

Die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung hätten sich deshalb völlig zu Recht das Ziel von 30 Prozent Bio bis 2030 gesetzt. Allerdings müssten die Regierenden in Berlin und München dann auch entsprechend in die Förderung des Ökolandbaus investieren, denn mehr Bio falle nicht einfach vom Himmel, dafür müsse man auch etwas tun. „Die Zahlen liegen auf dem Tisch – und sie sprechen klar für mehr Bio!“, sagte Hubert Heigl. „Immer mehr Bauernhöfe wollen auf Bio umstellen – jetzt muss die Politik dafür den Weg frei machen!“

Bio funktioniert auch im großen Rahmen

Kann man auch Großveranstaltungen wie das Münchner Tollwood-Festival konsequent mit Bio-Lebensmitteln versorgen? Diese Frage beantwortete Tollwood-Gastronomieleiter Norbert Keßler mit einem entschiedenen „Ja!“. „Die Praxis zeigt: Bio ist gewollt, machbar und funktioniert. Wir versorgen auf dem Tollwood-Festival im Sommer und im Winter insgesamt rund 1,5 Mio. Menschen mit nahezu 100 Prozent Bio-Lebensmitteln. Das kommt an und schmeckt!“ Tollwood zeigt, dass Bio-Essen keine unangenehme Überraschung beim Bezahlen verursachen muss: Hier kostet ein Gericht in 100 Prozent Bio-Qualität nicht mehr als ein konventionelles Gericht auf einer anderen Großveranstaltung in München. Möglich machen das eine faire Kalkulation, die regionale und saisonale Auswahl von Zutaten, der Fokus auf pflanzliche Komponenten und Gerichte sowie die Beratung bei der Auswahl von Rezepturen und Speisen.

Daniela Schmid, Projektleitung Tollwood „Mensch und Umwelt“, erklärte: „Was bei Tollwood geht, geht auch anderswo. Deshalb engagieren wir uns über die Festivalgrenzen hinaus für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung, etwa im Rahmen des „Bio für Kinder“-Projekts“. Das Tollwood-Projekt „Bio für Kinder“ unterstützt Kitas und Schulen in Deutschland, auf eine nachhaltige Verpflegung umzustellen – mit dem Online-Tool Bio-Speiseplan, digitalen Fortbildungstools für Köche und Vor-Ort-Beratungen.

Fazit

Einig waren sich die Experten, dass die gängige landwirtschaftliche Praxis in Deutschland einen Angriff auf unsere Lebensgrundlagen Boden, Wasser, Luft und Biodiversität darstellt. Nur durch die konsequente Ökologisierung von Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft könnten die Umweltfolgekosten minimiert werden. An die Politik ging in diesem Sinne die Aufforderung, durch einen zielorientierten gesetzlichen Rahmen und finanzielle Anreize wie eine an den Folgekosten orientierte Mehrwertsteuer sowie eine stärkere Förderung von Investitionen in den Ökolandbau die Weichen für ein enkeltaugliches Lebensmittelsystem zu stellen.

Versteckte Kosten

Mit geringem CO2-Fußabdruck kochen – was heißt das eigentlich? Wir haben versucht, es in einem Beitrag in GVMANAGER Ausgabe 8/2019 auf Zahlen und Werte herunterzubrechen. Das erfahren Sie im Beitrag „Versteckte Kosten“ – ein Überblick:

  • Würden die Folgekosten und der ökologische Fußabdruck in die Kalkulation von Gerichten mit einbezogen, müssten Lebensmittel viel mehr kosten.
  • Um die Mehrkosten für eine komplette Speise zu ermitteln, wird die Klimabilanz benötigt.
  • Die Klimabilanz kann auf dem Speiseplan in Form eines Symbols oder eines Wertes vermerkt werden.
  • Neben der Kommunikation der Klimabilanz an den Gast können auch Kompensationszahlungen eingeführt werden, die z. B. in Projekte zum Ausgleich des CO2-Fußabdruckes fließen könnten.

Redaktion GastroInfoPortal

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