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Die Hochschule Niederrhein erforscht im Projekt SUN, wie sich Lebensmittelreste aus der Lebensmittelproduktion recyclen lassen.

Lebensmittelabfälle recyclen

Datum: 26.11.2020Quelle: Hochschule Niederrhein | Ort: Mönchengladbach

An der Hochschule Niederrhein forschen Wissenschaftler an Methoden, um Lebensmittelreste wiederzuverwerten. Dabei geht es um Reste, die bei der Produktion von Lebensmitteln anfallen. In Deutschland schätzen Experten diesen Anteil auf 18 Prozent der Gesamtmenge der Lebensmittelabfälle.

Hochschule Niederrhein forscht im Rahmen des Projekts SUN

Das Projekt SUN (Sustainable and natural sidestreams) möchte hier Lösungen entwickeln. Dabei geht es um die sogenannten Sidestreams, also die Nebenströme, die bei der Lebensmittelproduktion anfallen und in dem Projekt genutzt werden sollen.

An dem deutsch-niederländischen Verbundprojekt sind Hochschulen und Unternehmen aus dem Bereich Agrobusiness beteiligt. Leadpartner ist die Hochschule Niederrhein. Deren Professoren Dr. Reinhard Hambitzer, Dr. Alexander Prange und Dr. Georg Wittich vom Fachbereich Oecotrophologie leiten das Projekt, das mit insgesamt 1,6 Millionen Euro durch das Interreg V A-Programm unterstützt wird.

Wissenswertes rund um SUN

Weitere Aspekte rund um das Projekt SUN, Ziele und erste Ergebnisse haben wir zusammengestellt. Erfahren Sie mehr dazu mit einem Klick auf die jeweilige Frage, die uns die Hochschule Niederrhein beantwortet hat.

In dem Forschungsprojekt SUN zum Recycling von Lebensmittelresten geht es um solche Reste, die während der Produktion von Lebensmitteln anfallen. Welchen Anteil an der Gesamtmenge an Lebensmittelabfällen nehmen diese Sidestreams ein?

Wie hoch der Anteil der Sidestreams tatsächlich ist, lässt sich aktuell nicht erschließen. Aus einer Studie des Thünen-Instituts aus dem Jahr 2015 werden für Deutschland 12 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle ausgemacht, von denen 1,4 Mio. Tonnen aus der Primärproduktion und 2,2 Mio. Tonnen aus der Lebensmittelverarbeitung stammen.

Zu bedenken ist: Sidestreams bzw. Nebenströme unterliegen nicht alle einem Recycling. Viele Nebenströme gehören nicht in die Rezeptur des gleichen Prozesses. Ein Beispiel wären Orangenschalen, die bei der Herstellung von Orangensaft anfallen. In großen Unternehmen der Orangenverarbeitung entsteht aber hieraus kein Abfall. Nach Gewinnung von hochwertigen Orangenschalenölen und/oder Pektinen können die getrockneten Reste zur Wärme- bzw. Energiegewinnung in den Unternehmen eingesetzt werden.

Können Sie abschätzen, wie viele dieser Sidestreams recycelt werden können?

Das lässt sich nicht generell beantworten, da Seitenströme keine konstante Größe sind. Sie hängen ab von der Branche, schwankenden Rohwarenqualitäten, Produktionslayout und vor allem von den meist recht dynamischen Marktpreisen für die gewonnenen Nebenstromprodukte und der Konkurrenz durch alternativ gewonnene Produkte.

Bislang werden Nebenströme häufig als Futtermittel oder Brennstoffe eingesetzt: Welches Ziel verfolgen die Hochschule Niederrhein und die weiteren Projektbeteiligten mit dem Projekt SUN?

Das Ziel ist die Wiedereinführung von Nebenströmen in die Lebensmittelindustrie für eine komplette Verwertung der Lebensmittel womit auch der Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt wird. Die Nebenströme können als solche zu neuen innovativen Produkten entwickelt oder ihre Inhaltsstoffe als Lebensmittelzusatzstoff einem bestehenden Rezept hinzugefügt werden.

Miteinhergehend soll sowohl die internationale als auch die interregionale Zusammenarbeit gestärkt werden, indem unter den Partnern des SUN-Projekts Kooperationen gefördert werden.

Können Sie typische Beispiele für Sidestreams benennen und mögliche Verwendungsmöglichkeiten aufzeigen, an denen im Rahmen des Projektes aktuell geforscht wird?

Typische Nebenströme sind Frucht- oder Gemüseschalen aus der Saftindustrie oder Konfektionierung. Aktuell werden Nebenströme auf pflanzlicher Basis zur Entwicklung neuer Produkte verwendet. Dabei werden die Nebenströme unterschiedlichen Verfahren wie der Trocknung oder Fermentation unterzogen.

Gibt es besondere Herausforderungen beim Recycling von Lebensmittelresten? Wo werden dem Recycling vielleicht auch Grenzen gesetzt?

Die Nebenströme unterliegen im Vergleich zu den Hauptströmen nicht den gleichen Hygiene- und Schutzvorkehrungen, die sie vor Verderbniserregern schützen. Daher ist eine der großen Herausforderungen die mikrobiologische Unbedenklichkeit der Nebenströme, die durch bestimmte Prozesse und Maßnahmen gewährleistet werden muss.

Inwieweit könnten Betreiber von Großküchen und Restaurants, Lebensmittelreste auch selbst im kleinen Rahmen recyclen?

Die Grundprozesse der Lebensmittelverarbeitung sind unabhängig von der Branche und von der Größe der Produktion. Sie lassen sich damit nicht nur über up-scaling aus dem kleineren Maßstab in den großen überführen, sondern auch umgekehrt. Das gilt jedoch nicht aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Bestimmte Größenordnungen an Nebenströmen müssen vorliegen, aus Gründen der Geräteauslastung, der Produkthomogenität und der Reproduzierbarkeit. Entscheidend sind die Kosten.

Inwieweit können Sie schon von ersten Erfolgen im Rahmen des Projekts berichten?

Aus unseren Versuchen konnten wir bereits Produktmuster aus den Nebenströmen herstellen, deren kommerzieller Genuss und Akzeptanz durch sensorische Verkostungen untersucht werden müssen.

Gibt es bestimmte Lebensmittelreste, die sich besonders gut recyclen lassen?

Lebensmittelreste, die nicht so schnell und leicht verderben, eignen sich gut zum Recyclen. Zu den schnell verderblichen Lebensmitteln zählen u. a. Fleischreste und auch nicht-tierische Lebensmittel mit einem hohen Wassergehalt.

Es können bestimmte Inhaltsstoffe gezielt gewonnen werden, um sie als Lebensmittelzusatzstoffe zu verwenden oder es können neuartige Produkte entwickelt werden.

 

Lebensmittelabfall reduzieren

Weniger Nassmüll? Maßnahmen, wie Hotel- und Restaurantbetriebe Lebensmittelabfälle reduzieren können, haben wir in einem Beitrag auszugsweise zusammengestellt.

Sarah Hercht / Redaktion GVMANAGER

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