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Die DGE bezieht Stellung zu den Ernährungsempfehlungen der Planetary Health Diet und ihrer praktischen Umsetzbarkeit.

DGE-Stellungnahme zur Planetary Health Diet

Datum: 17.05.2022Quelle: DGE | Bild: AlexLMX/Colourbox.de | Ort: Bonn

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) ordnet in einer Stellungnahme die Ernährungsempfehlungen der Planetary Health Diet ein. Ziel der Publikation ist es, die international von vielen Experten als globale Referenzernährung für eine nachhaltige Ernährungsweise herangezogene Planetary Health Diet hinsichtlich ihrer Ableitung, ihrer Lebensmittelmengen sowie ihrer praktischen Umsetzung zu betrachten.

Da die unkritische und teilweise starre Anwendung der Ernährungsempfehlungen der Planetary Health Diet nicht unproblematisch ist, gibt die DGE mit ihrer Stellungnahme auch eine Einordnung in Bezug auf die lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE (Food Based Dietary Guidelines, FBDGs). Dazu wurden die vorgeschlagenen Lebensmittelmengen der Planetary Health Diet den Orientierungswerten DGE gegenübergestellt sowie mit Verzehrdaten aus Deutschland verglichen. Erschienen ist die Stellungnahme in der ErnährungsUmschau 5/2022.

So viel vorweg: Die Planetary Health Diet und DGE-Empfehlungen haben viele Gemeinsamkeiten; die Herausforderung bleibt die praktische Umsetzung in der Bevölkerung.

Grundlagen der Planetary Health Diet und der DGE-Empfehlungen

Die Planetary Health Diet ist ein globales Konzept, um eine Weltbevölkerung von 10 Mrd. Menschen im Jahr 2050 mit Fokus auf die Einhaltung der planetaren Grenzen zu ernähren. Neben der Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs ist es das Ziel, ernährungsmitbedingte Krankheiten sowie die Gesamtsterblichkeit zu reduzieren.

Die in Deutschland abgeleiteten DGE-Empfehlungen sollen die Bevölkerung mit allen Nährstoffen gesundheitsfördernd und bedarfsgerecht ernähren. Auch hier fließen evidenzbasierte Erkenntnisse zur Prävention ernährungsmitbedingter Krankheiten sowie Nachhaltigkeitsaspekte ein. Dabei sind die DGE-Empfehlungen auf die Ernährungsgewohnheiten, die lokale Lebensmittelproduktion und kulturellen Gegebenheiten in Deutschland abgestimmt.

Gemeinsamkeiten der Ernährungsempfehlungen

Grundsätzlich haben beide Ernährungsweisen vieles gemeinsam und bieten Spielraum für individuelle, flexible Anpassungen. Sie sind pflanzenbetont und bevorzugen Vollkornprodukte und Öle mit ungesättigten Fettsäuren. Die Zufuhr an tierischen und hoch verarbeiteten Lebensmitteln, gesättigten Fettsäuren sowie Zucker soll eingeschränkt werden. Bei Gemüse und Obst, Fleisch, Fisch und Eiern sowie Ölen sind die Lebensmittelmengen der Planetary Health Diet und die Orientierungswerte der DGE sehr ähnlich.

Unterschiede der Ernährungsempfehlungen

Milch und Milchprodukte:

„Wesentliche Unterschiede zeigen sich aus der globalen versus deutschlandspezifischen Betrachtung und bei der Ableitung der Lebensmittelmengen, vor allem bei Milch und Milchprodukten“, sagt Prof. Dr. Bernhard Watzl, Vizepräsident der DGE und Vorsitzender der DGE-Arbeitsgruppe lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen.

Die Planetary Health Diet empfiehlt maximal 500 Gramm Milchäquivalente pro Tag, d.h. Milchprodukte werden in die zu ihrer Herstellung verwendete Milch umgerechnet.

Für die Orientierungswerte der DGE ergibt sich umgerechnet in Milchäquivalente eine Spanne von 596 bis 728 Gramm/Tag, damit liegen sie deutlich höher als die der Planetary Health Diet. Dieser Unterschied beruht in erster Linie auf der Verwendung unterschiedlicher Grundlagen für eine adäquate Kalziumzufuhr. Die Planetary Health Diet nimmt hierfür eine wesentlich geringe Menge als die Referenzwerte der DACH-Gesellschaften oder der WHO an. Besonders kritisch ist dies für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen, da diese einen höheren Kalziumbedarf zum Aufbau einer optimalen Knochendichte als Erwachsene haben.

Energiezufuhr:

Auch in der Energiezufuhr ergeben sich Unterschiede: Während die Planetary Health Diet von 2.500 kcal/Tag ausgeht und nicht nach Alter und Geschlecht differenziert, liegt die Spannweite bei der DGE bei 1.600 bis 2.400 kcal/Tag.

Die tatsächliche mittlere Energiezufuhr liegt in Deutschland laut Nationaler Verzehrstudie II (NVS II) bei ca. 2.000 kcal/Tag. Eine tägliche Energiezufuhr von 2.500 kcal könnte ohne gesteigerte körperliche Aktivität das Übergewichts- und Adipositasproblem in Deutschland noch verstärken.

Ernährungsgewohnheiten verbesserungswürdig

Die große Herausforderung bei der Umsetzung einer gesundheitsfördernden und nachhaltigeren Ernährung, so heißt es in der Stellungnahme der DGE, ist die praktische Umsetzung der Bevölkerung, denn die verzehrten Lebensmittelmengen in Deutschland weichen erheblich von den Angaben der beiden Ernährungsempfehlungen ab: Die Zufuhr von Gemüse, Fisch und Öl liegt deutlich unter den Orientierungswerten der DGE sowie den Empfehlungen der Planetary Health Diet, während bei Fleisch, vor allem rotem Fleisch sowie Zucker die Zufuhr deutlich höher ist.

Mehr zu Planetary Health Diet

Die Ernährung der Menschheit sichern und gleichzeitig den Planeten erhalten – das soll die Planetary Health Diet, die aber auch einiges an Verzicht fordert. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu den Ernährungsempfehlungen.

Redaktion GastroInfoPortal

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