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Delivery-Trend: Lohnt sich der Lieferservice für Restaurants?

Datum: 05.02.2020Quelle: Christoph Klingenthal | Bilder: Tricky Shark – stock.adobe.com, rh2010 – stock.adobe.com | Ort: Zeithain

Food Delivery entwickelt sich immer mehr zur Trendbranche. Das führt einerseits dazu, dass es zunehmend Gastronomiebetriebe gibt, die sich (fast) ausschließlich auf den Lieferservice konzentrieren. Sie werden daher gerne auch als „Ghost Restaurants“ bezeichnet. Andererseits stellen sich zahlreiche herkömmliche Restaurants die Frage, ob sie einen solchen zusätzlichen Service offerieren sollen und wenn ja, in welcher Form er sich lohnt?

Delivery-Dienste verzeichnen Boom

Dass die Delivery-Branche klassische Restaurants eines Tages vollständig verdrängen wird, davon geht im Moment niemand aus. Schließlich ist das Essen in einem Restaurant für viele Menschen mehr als nur ein Mittel zur Sättigung. Es geht um die Erfahrung, das Lachen mit Freunden, Speisen mit der Familie oder den romantischen Abend als Paar. Jedoch gibt es auch Situationen, in welchen es nicht möglich oder gewünscht ist, selbst zu kochen. Das Essen soll aber dennoch schnell fertig sein und schmecken. Zudem ist örtliche Flexibilität immer häufiger gefragt – zum Beispiel in der Mittagspause, nach Feierabend oder an einem Sonntag, wenn man keine Zeit mehr zum Einkaufen hatte. Gerade in solchen Situationen greifen die deutschen Verbraucher zunehmend zum Lieferservice.

Vorangetrieben wird dieser Trend aber nicht nur durch die neue Schnelllebigkeit der Gesellschaft, wo oftmals keine Zeit mehr bleibt, um Essen einzukaufen, selbst zu kochen oder in Ruhe zu genießen. Auch die Digitalisierung spielt eine Rolle, denn sie macht die Bestellung von Essen an die eigene Haustür beziehungsweise zum aktuellen Standort so einfach wie nie zuvor. Aus diesem Grund werden Lieferdienste vor allem von Millennials sowie in Großstädten genutzt. Und zuletzt ist neben Zeitmangel und Bequemlichkeit häufig auch schlichtweg die Qualität des Essens ein Grund dafür, dieses aus dem Restaurant nach Hause zu bestellen, wenn eben keine Zeit bleibt oder keine Lust da ist, dieses vor Ort zu genießen. Viele Nutzer entsprechender Delivery-Dienste versprechen sich dadurch also einen qualitativ besseren oder abwechslungsreicheren Ernährungsplan.

Ein Blick auf die Zahlen

Dieser Boom ist natürlich auch bei den Investoren nicht unbemerkt geblieben. Neue Angebote wie innovative Delivery-Apps werden großzügig gefördert. Dementsprechend viele Anbieter sind in den vergangenen Jahren auf den Markt gedrängt. Neben den klassischen Lieferservices, die direkt vom Restaurant angeboten werden, handelt es sich dabei vor allem um Online-Lieferdienste, die nicht selbst Speisen herstellen, sondern mit Partner-Restaurants kooperieren und lediglich gegen eine Provision die Abwicklung der Delivery übernehmen.

Das macht es für Restaurants zunehmend einfacher, selbst einen Lieferservice anzubieten, obwohl es intern vielleicht an der entsprechenden Infrastruktur fehlt. Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass der Boom der Delivery-Branche mit Sicherheit noch andauern wird. Geschätzt wird ein Marktvolumen von etwa 6,8 Millionen Euro bis zum Jahr 2022 – Tendenz steigend. Für Restaurants kann es also durchaus interessant sein, sich ein Stück von diesem Kuchen zu nehmen und selbst auch in die Delivery-Branche einzusteigen.

Besonderheiten beim „Delivery-Essen“

Allerdings funktioniert das nicht ohne ein neues Geschäftsmodell und somit ein gewisses Maß an Investitionen. Denn es reicht nicht aus, das eigene Essen einfach per Lieferdienst zu den Kunden zu schicken. Stattdessen sollte das sogenannte „Delivery-Essen“ speziell für diesen Zweck konzipiert sein. Es muss beim Eintreffen noch warm sein, der Kunde sollte alles haben, um das Essen auch „unterwegs“ verspeisen zu können, und das Design muss die Zielgruppe ansprechen. Das bedeutet zum Beispiel:

  • Das Essen wird inklusive Geschirr und Besteck geliefert. Letzteres sollte jedoch nicht aus Plastik sein, denn immer mehr Deutsche legen bekanntlich Wert auf Nachhaltigkeit. Es braucht also umweltfreundliche Alternativen wie Modelle aus Holz oder CPLA.
  • Die Verpackung muss nicht nur praktisch sein und die richtige Größe haben, sondern die Faltschachteln sollten zugleich qualitativ überzeugen und die Möglichkeit einer individuellen Gestaltung bieten. Der Empfänger sollte sein Essen schließlich dem Absender, sprich der „Marke“ des Restaurants, zuordnen können. So bleibt der Wiedererkennungswert vor allem dann erhalten, wenn über einen Online-Lieferdienst bestellt wird, wo es eine große Auswahl gibt und somit auch viel Konkurrenzdruck.
  • Bei einigen Speisen ist es nicht sinnvoll, die Zutaten bereits vollständig miteinander zu vermischen. Stattdessen ist es manchmal notwendig, einzelne Produkte wie Parmesan, Salatdressing, Sojasauce & Co gesondert zu verpacken.

Diese sind nur drei Beispiele von vielen, doch sie machen bereits deutlich, dass die Einrichtung eines Lieferservices ein durchdachtes Unterfangen sein muss. Nur dann können die Marktpotenziale optimal genutzt werden. Eine wichtige Frage, die sich in diesem Zuge ebenfalls stellt, lautet: Soll ein Online-Lieferdienst genutzt oder ein eigener Service eingerichtet werden?

Vor- und Nachteile der Online-Lieferdienste

Hierbei handelt es sich um eine Frage, die nicht pauschal beantwortet werden kann. Auf der Pro-Seite bieten die Online-Lieferdienste zahlreiche Vorteile für die Partner-Restaurants. Dabei handelt es sich zum Beispiel um eine größere Kundenreichweite, exklusive Aktionen wie Rabatte, umfangreiches Monitoring für mehr Transparenz, verschiedene Zahlungsarten sowie höhere Umsätze durch Marketingmaßnahmen. Damit jedenfalls werben die zahlreichen Anbieter.

Jedoch stehen sie auch immer wieder aufgrund ihrer hohen Provisionen in der Kritik. Bis zu 15 Prozent müssen die Restaurants von ihrem Umsatz an den Partner-Lieferdienst abgeben. Ob sich das Modell rechnet, muss daher im Einzelfall kalkuliert werden. Alles über elf bis zwölf Prozent sei nicht rentabel, so die Expertenmeinung. Dann kann es tatsächlich sinnvoller sein, einen eigenen Lieferdienst einzurichten oder sich ausschließlich auf den klassischen Restaurantbetrieb zu fokussieren.

Eva Fürst / Gastroinfoportal

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