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Novel-Food

Novel-Food – alles neu?

Datum: 17.01.2018Quelle: Inhalt: BVL, Foto: Colourbox.de | Ort: Brüssel

Seit 1. Januar 2018 gilt die überarbeitete Novel-Food-Verordnung (EU)2015/2283. Sie ebnet den Weg für eine vereinfachte und rechtssichere Zulassung neuartiger Lebensmittel, wie Insekten oder Algen. Geändert hat sich u. a. das Zulassungsverfahren: Die Anträge müssen direkt bei der Europäischen Kommission eingereicht werden, und nicht wie bisher in den einzelnen Mitgliedstaaten. Außerdem muss ein neuartiges Lebensmittel nur noch einmal auf europäischer Ebene zugelassen werden und weitere Hersteller können dann Produkte mit denselben Spezifikationen und Verwendungsbedingungen auf den Markt bringen.

Alternativ, und das ist seit dem 1. Januar 2018 ebenfalls neu, kann in manchen Fällen auch das neue Anzeigeverfahren für traditionelle Lebensmittel aus einem Drittstaat genutzt werden. Und zwar wenn belegt werden kann, dass das Lebensmittel dort seit mindestens 25 Jahren verzehrt wurde und keine Sicherheitsbedenken auftraten. Alle bisher zugelassenen neuartigen Lebensmittel sind in einer Unionsliste neuartiger Lebensmittel zusammengefasst.

Was ist Novel Food?

Novel Foods sind alle Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 noch nicht in nennenswertem Umfang in der EU für den menschlichen Verzehr verwendet wurden und mindestens einer der folgenden Lebensmittelkategorien zugeordnet werden können:

  • haben eine neue oder gezielt veränderte Molekularstruktur
  • bestehen aus Mikroorganismen, Pilzen oder Algen
  • bestehen aus Materialien mineralischen Ursprungs
  • bestehen aus Pflanzen oder Pflanzenteilen
  • bestehen aus Tieren oder deren Teilen
  • bestehen aus Zell- oder Gewebekulturen
  • sind hergestellt durch ein neuartiges, nicht übliches Verfahren
  • bestehen aus technisch hergestellten Nanomaterialien
  • sind Vitamine, Mineralstoffe und andere Stoffe
  • gelten ausschließlich in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig gelten und werden nun in anderen Lebensmitteln verwendet

Lebensmittelunternehmer sind verpflichtet zu prüfen, ob ein Lebensmittel neuartig im Sinne der Verordnung ist. Wurde es vor dem 15. Mai 1997 nennenswert verzehrt, bedarf das Lebensmittel keiner Zulassung. Die Europäische Kommission hat zu dieser Frage eine Leitlinie „menschlicher Verzehr in nennenswertem Umfang (englisch)“ erstellt, an der sich die Lebensmittelunternehmer orientieren können.

Ist dies nicht der Fall, müssen die Lebensmittelunternehmer weiter prüfen, ob das Produkt unter eine der zehn Kategorien fällt. Denn nur dann handelt es sich um ein zulassungsbedürftiges neuartiges Lebensmittel. Gehört es keiner der Kategorien an, ist es womöglich nicht neuartig, sondern neu. Das ist es z. B. dann, wenn die Rezeptur neu ist oder es sonstige marginale Unterschiede zu bestehenden Lebensmitteln gibt. Neue Lebensmittel müssen nicht zugelassen werden. Sind sich die Lebensmittelunternehmer unsicher, ob ein Lebensmittel neuartig ist oder nicht, müssen sie die in den jeweiligen Mitgliedstaaten zuständigen Stellen nach deren Einschätzung fragen. In Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zuständig.

Was ist neu: Beispiel Insekten

Bislang war die Rechtslage für Insekten als Lebensmittel nicht eindeutig. In der alten Verordnung wurden nur „Lebensmittelzutaten, die aus Tieren isoliert wurden“ genannt. Ganze Tiere wurden nicht explizit erwähnt. Diese Rechtslücke führte zu sehr unterschiedlichen Interpretationen in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten. Während Insekten woanders gegessen werden, gingen die deutschen Überwachungsbehörden in den Bundesländern in der Regel strikter vor.

Insekten – sowohl ganze Tiere als auch Teile davon – werden in der neuen Verordnung explizit genannt. Fortan gilt: Alle Insekten oder insektenhaltige Produkte als Lebensmittel müssen vorab gesundheitlich bewertet und zugelassen werden.

www.bvl.bund.de

 

Mareike Knewitz / Gastroinfoportal

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