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Datum: 28.03.2003Quelle:

Die Begründung des Experten leuchtete auch den Biowinzern im badischen St. Ulrich, dem Ort der ECOVIN-Veranstaltung, ein: Gerade die Weine der Biowinzer sind am ehesten individuell geprägt: durch die behutsame Art der Bodenpflege, das Eingehen auf klimatische und kleinklimatische Besonderheiten und die behutsame Pflanzenpflege. “Terroir und Mensch gehören zusammen”, erklärt Vaterlaus diese Symbiose.

Die Voraussetzungen, um den Begriff im positiven Sinne einzusetzen, sind freilich in Deutschland nicht gerade günstig, erklärte Prof. Dr. Dieter Hoffmann von der Forschungsanstalt in Geisenheim. Zu lange seien die Herkunftsbegriffe durch Großlagen verwässert worden. Für den breiten Markt, so glaubt der Experte, habe das Terroir denn auch keine Bedeutung mehr. Und
so kann der Begriff heute nur dann eine Rolle spielen, wenn er für den
Verbraucher nachvollziehbar ist und glaubhaft.

Manche Böden und Rebsorten reagieren auch eher auf Unterschiede, als andere: Muschelkalk macht die Ausprägung eines Terroirs eher spürbar als Löss, und ein Riesling reagiert besser auf solche Unterschiede, als zum Beispiel ein Rotwein. Für den Winzer Hansjörg Rebholz ist deswegen der Terroirbegriff allein noch kein praktikables Vermarktungskonzept: “Das macht erst dann Sinn, wenn hohe Qualität auf mustergültige Kellerwirtschaft stösst und das Ergebnis auch durch den Winzer kommuniziert wird.”

Auch regional gibt es unterschiedliche Entwicklungschancen. Für Baden zum Beispiel schätzt Paulin Köpfer, der Vorsitzende von ECOVIN Baden, dass der Begriff “Terroir” auch in nächster Zeit keine allzu große Bedeutung erlangen wird. Natürlich gibt es hier ausgesprochene Terroirweine, obwohl beispielsweise in anderen Regionen die Unterschiede in Boden und Klima ausgeprägter sind. Winzer aus der Pfalz, dem Rheingau oder von der Mosel können diese Unterschiede eher spürbar werden lassen und werden sie auch leichter “vermarkten” können.

Und so bleibt trotz bester Voraussetzungen noch offen, obin Zukunft die Biowinzer von ECOVIN “Terroirweine” anbieten werden – auch wenn viele von ihnen solche Weine schon lange erzeugen. “Das muss jeder Winzer für sich entscheiden”, betont auch Paulin Köpfer zum Abschluss der Veranstaltung, die er zusammen mit der Katholischen Landvolkshochschule und dem Beratungsdienst ökologischer Weinbau organisiert hatte.

Bei der Vermarktung wird das Terroir allerdings zum Markenbegriff, und viele der auf hohem Qualitätsniveau produzierenden Biowinzer haben bereits eine eigene Marke aufgebaut und erfolgreich vermarktet, wobei natürlich der eigene Name oder Betriebsname im Vordergrund stand.

Alle anderen werden sich wohl an das halten, was auch Marktspezialist Michael Berger aus Heidesheim erklärte: “Terroir ist nicht sexy.” Oder anders ausgedrückt: Das Terroir steht für einen produktorientierten Begriff, wer Bioweine verkaufen möchte formuliert lieber marktorientiert. Klare Inhalte, und die positiv besetzte Schilderung der biologischen Erzeugung werden denn auch künftig im Vordergrund stehen.

Nichtsdestotrotz können natürlich Weinliebhaber bei ihrem Biowinzer am besten erfahren, inwiefern sich der gesamtheitliche Begriff “Terroir” auf seinen Wein ausgewirkt hat – inklusive der biologischem Pflanzen- und Bodenpflege, dem Eingehen Klima und Kleinklima der Lagen und der Verfeinerung im Keller. Denn nirgends sonst ist diese Handschrift so deutlich zu spüren, wie beim Biowein.

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