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Datum: 09.01.2001Quelle: Ort: Hamburg (FIZ)

Hamburg (FIZ). Der Beitrag zur Aquakultur zur Minderung des Welternährungsproblems, insbesondere zur Versorgung der Menschen mit dem lebensnotwendigen Protein, ist international unumstritten. Die Aquakultur stellt heute schätzungsweise 30 Millionen Tonnen an Fischen, Krebsen und Weichtieren pro Jahr für die Ernährung zur Verfügung. Das ist bald ein Drittel der Menge, die gleichzeitig von Fischern aus Meeren, Seen und Flüssen gefangen wird. Die Tendenz ist weiter steigend. Nicht zu übersehen ist auch, dass die immer bedeutungsvoller werdende Aquakultur den Überfischungsdruck auf die Nahrungsreserve Meer verringert.

Aber es hat in den vergangenen Jahren auch nicht an kritischen Stimmen gefehlt, die die Öffentlichkeit auf unerwünschte Nebenwirkungen und Folgen der Marikulturen auf die Umwelt hinwiesen. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die Zerstörung beträchtlicher Teile der Mangrovenwälder in der südlichen Hemisphäre, die asiatische und lateinamerikanische Länder dem Auf- und Ausbau ihrer Aquakulturwirtschaft opferten.

Dem Schutz und der Rekultivierung von Mangrovenwäldern wird in der nationalen Politik heute verstärkt Vorrang eingeräumt. Die Bedeutung dieser Wasserwälder als wichtige “Kinderstube” vieler Fischarten, als Regulator für das regionale Klima, als Stabilisator für den Erosionsschutz und für den Wasserhaushalt wurde von der Politik erkannt. So haben beispielsweise Länder wie China, Thailand und Indien Umweltschutzprogramme erlassen, die den Schutz und die Renaturierung der Mangrovenwälder berücksichtigen.

Sie werden dabei auch von der deutschen Entwicklungshilfe unterstützt. So spielt in den neuen fischereibezogenen Entwicklungsprojekten der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Eschborn, das Thema Küstenschutz und Küstenmanagement, insbesondere die Schonung beziehungsweise Wiederanlage von Mangrovenwäldern, eine immer wichtigere Rolle.

Ökologische Fortschritte gibt es aber auch in den Aquakulturen auf der nördlichen Halbkugel. Möglich wurden sie durch wissenschaftliche Forschung und Entwicklung, durch Detailverbesserungen in der Verfahrenstechnik vorhandener Zuchtanlagen sowie durch Entwicklung und Erprobung von Verfahren einer “neuen” Aquakultur.

So wurden zum Beispiel für erlaubte Medikamente umweltfreundlichere Präparate entwickelt. In der norwegischen Aquakultur gelang es, die Sterblichkeit der Jungfische seit 1993 von 40 auf 15 Prozent zu senken – und das trotz deutlicher Reduktion von Antibiotikabeigaben. Auch Nebenwirkungen von Futterresten und Fischkot auf die Umwelt sollen zunehmend abgebaut werden. So zum Beispiel durch die fernsehkameragesteuerte Fütterungsregulierung. Oder: In Fischausscheidungen enthaltenes schädliches Ammoniak wird durch Denitrifikation in harmloses Nitrat umgewandelt. Mit einem anderen Verfahren wird der Schmutz in Biogas verwandelt; entwickelt wurde es an der Universität Rehovot in Israel.

Zuchtbecken beziehungsweise Tanks mit geschlossenen Wasserkreisläufen (Anlagen, die abseits von Küsten oder Seen auf dem Land untergebracht werden können) sind Hauptkennzeichen einer neuen Generation von Fischzucht-Anlagen, wie sie bereits in zahlreichen Ländern existieren. Kreislaufanlagen sind in sich geschlossene, umweltfreundliche Produktionssysteme. Bei ihnen entfällt ein Wasseraustausch teilweise oder ganz. Sie erlauben, Futterreste und Exkremente auszufiltern, in Biogas oder mit einem Bioreaktor in Dünger umzuwandeln, wie es beispielsweise schon in einer Garnelenzucht-Anlage auf Kreislaufbasis in Delbrück (Ostwestfalen) geschieht.

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