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Bastian Ehret Transgourmet

Der richtige Riecher

Datum: 20.05.2020Quelle: B&L MedienGesellschaft I Foto: Transgourmet Ort: München

Bastian Ehret ist der Wein-Hunter von Transgourmet. Für dessen Kunden spürt er nicht nur neue Weingüter auf, sondern auch die neuesten Weintrends. Ein paar davon hat er uns verraten. Und da er sich mit Wein besonders gut auskennt, haben wir ihn auch zur aktuellen und zukünftigen Lage des Weins befragt.

Herr Bastian Ehret, welche Weine sind in der Gastronomie gefragt?

Weil Regionalität bei vielen Gastronomen und ihrem Gast im Vordergrund steht, steigt der Anteil an deutschen Weinen immer mehr an. Vor allem in Bezug auf die Weinbaugebiete. Ein Stuttgarter Gastronom wird also eher württembergische Weine anbieten.
Für einen Hamburger oder Berliner Gastronom bedeutet Regionalität „deutsch“. Einen deutschen Wein sollte ein Gastgeber heutzutage auf jeden Fall auf der Karte haben. Deren Anteil bei den Transgourmet Kunden liegt bei über 80 %.

Und abgesehen von der Regionalität?

Die Nachfrage an Weißwein steigt an, also an Klassikern wie Riesling oder Grauburgunder. Müller-Thurgau ist auch ein Wein, der neu entdeckt wird. Er ist leicht, spritzig, filigran und hat die „einfacheren“ Fruchtaromen.
Die Nachfrage nach solchen leichteren „Sommerweinen“ mit reduziertem Alkoholgehalt wächst – vor fünf Jahren hat niemand die Flasche umgedreht.
In die gleiche Richtung geht das Thema Roséwein. Auch hier steigt die Nachfrage. Im Vergleich zu Weiß und Rot wird er immer eine Nische bleiben, aber im Moment geht es hoch.
Darüber hinaus, wenn wir über Regionalität sprechen, ist Nachhaltigkeit ein sehr spannender Punkt für viele Leute. Die Bereitschaft vom Gast ist auch da, mal einen Euro mehr auszugeben, wenn die Nachhaltigkeit gegeben ist und die Story dazu stimmt. Der Wein muss nicht zwangsläufig Bio sein. Ein konventioneller, nachhaltiger deutscher Wein ist eventuell besser als ein biologisch angebauter Wein aus Übersee. Nicht weil die es nicht können, sondern weil er trotzdem um die halbe Welt geschifft wurde.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Lage auf den Wein?

Auch für den Winzer ist es gerade schwierig. Die Natur wartet nicht. Der Austrieb ist im Schnitt zwei Wochen früher als normal.
Viele Gastronomiebetriebe haben jetzt ein To-go-Geschäft. Da ist Kreativität gefragt. Ein Kunde von uns empfiehlt, wenn jemand ein Gericht zum Abholen oder zum Liefern bestellt, gleich den passenden Wein dazu. Bei ihm funktioniert das gut.
Dem Weinvertrieb helfen Initiativen, die lokalen Einkauf mit Hashtags à la #supportyourlocalwinery fördern. Man merkt die Solidarität in der Bevölkerung für einen Weinbaubetrieb.
Nach der Krise wird Regionalität eine noch größere Rolle spielen. Viele Leute haben jetzt erst entdeckt, „was es um den Kirchturm herum gibt“. Es ist natürlich spannend, sich um die ganze Welt zu essen und zu entdecken. Aber es gibt auch hier spannende Geschichten.
Die Online-Bestellungen steigen jetzt schon und das wird nach der Krise so bleiben.

Was spielt nach der Krise beim Gastronomen eine Rolle?

Wenn die Lockerung da ist und die Terrassen öffnen, werden sich die Leute eher was gönnen wollen und ein paar Euro mehr ausgeben. Und sie werden sich dann auch eine Flasche Wein kaufen, die vielleicht ein bisschen höherpreisiger ist, weil sie das eine Zeitlang nicht gehabt haben. Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis wird sich dann durchsetzen. Wenn man sich jetzt die Online-Verkäufe anschaut, wird als „Wein nach dem Homeoffice“ eher ein höherpreisiges Produkt gekauft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bastian Ehret Transgourmet

teo

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