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Der Jahrgang 2017 in den 13 deutschen Anbaugebieten.

Der deutsche Jahrgang 2017

Datum: 24.11.2017Quelle: Deutsches Weininstitut; Foto: Maja Petric on Unsplash | Ort: Bodenheim

Der Jahrgang 2017 hat in den deutschen Weinbaugebieten gute bis sehr gute Weinqualitäten hervorgebracht. Die Erträge waren allerdings oftmals gering. Die Ursache dafür war hauptsächlich der ungewöhnlich starke und weit verbreitete Frost im April. Die bundesweite Weinmosternte liegt in diesem Jahr mit geschätzten 7,5 Mio. hl 18 % unter dem Vorjahresergebnis. Mit den geernteten Qualitäten ist man ingesamt aber sehr zufrieden. Eher leicht, fruchtig und finessenreich fallen die Weine des Jahrgangs aus. Sie entsprechen damit dem aktuellen Geschmackstrend der Verbraucher.

Wie sich der Weinjahrgang in den 13 deutschen Weinbaugebieten entwickelt hat, zeigt die Übersicht.

Der Jahrgang 2017 in den deutschen Weinbaugebieten

Ahr (563 ha)
Nachdem der Frost im April die Erträge bereits reduziert hatte und im Sommer starke Niederschläge folgten, war an der Ahr die selektive Lese das Gebot der Stunde. Bei den frühreifen Sorten wie Frühburgunder, hatte die Lese teilweise bereits im August eingesetzt. Die zweite Septemberhälfte brachte ideales Erntewetter, das der Hauptsorte der Region, dem Spätburgunder, aber auch dem Riesling sehr entgegen kam und zu guten Qualitäten führte. Die Ahr-Weine, von denen es mit geschätzten 31.000 hl etwa 21 % weniger geben wird als im langjährigen Mittel, sind extraktreich und gehaltvoll. Sie werden Liebhaber mit guter Struktur und typischer feiner Sortenfrucht überzeugen.

Baden (15.812 ha)
Die diesjährige Frostkatastrophe in Baden war die größte seit 1953. Manche Rebe erholte sich und trieb neu aus, doch Trauben trugen die neuen Triebe nur wenige. So wurden bereits Anfang Oktober Erträge um 70 hl pro Hektar gemessen. Die prognostizierte Erntemenge liegt mit 1,05 Mio. hl 15 % unter dem Zehnjahresmittel und 19 % unter dem Vorjahresergebnis. Die erreichten Mostgewichte und Qualitäten waren jedoch durchaus gut, gerade bei den später reifenden Sorten. Ende Oktober sorgte das sonnige Wetter noch vereinzelt für Auslesen bis hin zu Trockenbeerenauslesen.

Franken (6.107 ha)
Die fränkischen Winzer sind sich einig: 2017 gab es in ihrem Anbaugebiet die schnellste und früheste Weinlese aller Zeiten. Das hängt mit den Wetterkapriolen zusammen, mit denen das Jahr nicht geizte. Die Schäden des Frühjahrsfrosts konnten in Franken mit viel Aufwand minimiert werden, sodass trotz einiger Hagelschäden im Sommer und starkem Regen sowie entsprechender Traubenselektion vor der Lese, die Erntemenge mit rund 487.000 hl voraussichtlich sogar etwas höher ausfallen wird, als im Vorjahr. Die Weine sind überwiegend erfrischend leicht und animierend fruchtig. Sie stehen so in schönem Kontrast zum sehr konzentrierten, gehaltvollen Jahrgang 2015 und ergänzen die fruchtbetonten 2016er.

Hessische Bergstraße (461 ha)
Ein turbulentes Jahr: Es gab nicht nur durch Frostschäden Einbußen in der Menge. Probleme bereitete auch die teils feuchte Witterung. Daher mussten die Winzer in Handarbeit streng selektieren, um die Qualität zu erhalten. Zum Glück gab es dann im September kühle Nächte, der die Lese, die schon früh eingesetzt hatte, noch mehr beschleunigte. Um den 10. Oktober war dann bereits alles im Keller. Alles in allem liegen die Mengen mit 25.000 hl deutlich unter dem üblichen Ergebnis von 31.000 hl, doch stimmt die Qualität, vor allem bei den später reifenden Sorten wie Riesling. Der Jahrgang 2017 wird sortentypisch und frisch, vor allem aber auch leichtfüßig und elegant ausfallen.

Mittelrhein (467 ha)
Die Winzer am Mittelrhein blieben von größeren Ernteverlusten durch den Frost weitgehend verschont. Allerdings stellte das Jahr die Winzer auf andere Weise vor große Herausforderungen, etwa durch viel Niederschlag im Sommer und wechselhaftes, feuchtes Wetter zur Erntezeit. Es musste aufwändig selektiert werden, um gesunde von faulen Beeren zu trennen. Die im September bereits begonnene Lese war Anfang Oktober schon weitestgehend abgeschlossen. Auch edelsüße Spezialitäten bis zur Trockenbeerenauslese wurden geerntet. Die Erntemenge beträgt rund 33.000 hl und entspricht damit ungefähr dem Vorjahresergebnis. Die Weine präsentieren sich aromatisch und ausgewogen bis konzentriert mit schönem Süße-Säure-Spiel.

Mosel (8.796 ha)
An der Mosel wurde so früh wie noch nie und mit einem so niedrigen Mengenergebnis wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gelesen. Mit 600.000 hl fällt die Erntemenge deutlich geringer aus als das langjährige Mittel von 800.000 hl. Mit einem Lesebeginn Mitte September wurde der bestehende Frühstartrekord von 2011 um zehn Tage übertroffen. Später gelesene Rieslingtrauben konnten noch von dem günstigen Wetter in der zweiten Septemberhälfte profitieren. Es gab nicht nur gute Mostgewichte, die bei edelsüßen Trauben bis 200 Grad Oechsle reichten, auch die Fruchtsäurewerte sind harmonisch. Feingliedrig, spielerisch und mineralisch werden die 2017er Moselweine sein, mit einer breiten Qualitätspalette bis hin zu Trockenbeerenauslesen.

Nahe (4.205 ha)
Um 30 bis 80 % lagen die Erträge unter den üblichen Ergebnissen. Gut, wer in den gefährdeten Lagen Fackeln anzünden und die Trauben weitestgehend retten konnte. Auch Hagelschäden gab es im Laufe des Jahres zu allem Überfluss, sodass sich das geschätzte Minus auf 18 % gegenüber dem langjährigen Mittel beläuft. Das meist günstige Wetter im Sommer und zur Lese wirkte sich dann aber positiv auf die verbliebenen Trauben aus, die ansprechende Mostgewichte erzielten. Die Nahe-Weine des Jahrgangs 2017 präsentieren sich sortentypisch, gehaltvoll und sehr schön ausbalanciert.

Pfalz (23. 590 ha)
Die Pfälzer Winzer haben mit rund 1,8 Mio. hl etwa 19 % weniger Trauben als im Durchschnitt eingefahren. Nach einem regenreichen Juli war der Wettergott im August und September jedoch einigermaßen freundlich gestimmt. Zur Ernte war das Wetter mit warmen Tagen und kühlen Nächten perfekt für eine gute Aromaausprägung. Im September kühlte es dann gegen Ende der Lese ab, wobei sich der Regen in Grenzen hielt. So bildeten die Trauben viel Zucker und wiesen gute Säurewerte auf. Der Jahrgang verspricht in der Pfalz charaktervolle und ausdrucksstarke Weine mit schönem Aromenspiel, besonders bei den Bukettsorten wie Sauvignon Blanc oder Muskateller. Die Jungweine präsentieren sich bereits sehr animierend und ansprechend.

Rheingau (3.168 ha)
Die Erntemenge von geschätzt 180.000 hl liegt um rund 18 % unter dem Vorjahresniveau. Schuld daran waren in erster Linie Fröste im April und zusätzlich ein größerer Hagelschäden im August im mittleren Rheingau. Manches konnte die Natur durch gutes Wetter während der Rebblüte sowie zur Erntezeit noch ausgleichen. Anfang August wiesen die Reben noch einen Vegetationsvorsprung von zehn Tagen gegenüber dem langjährigen Mittel auf. Eine gute Traubenselektion war nach heftigen Niederschlägen während der Reifephase nötig, die letztendlich bei den spät reifenden Hauptrebsorten Riesling und Spätburgunder sehr gute Traubenqualitäten und Mostgewichte hervorbrachte.

Rheinhessen (26.628 ha)
Die Erntemenge im größten deutschen Anbaugebiet liegt mit geschätzten zwei Millionen Hektolitern deutlich, nämlich rund 20 %, unter dem Vorjahr und dem langjährigen Durchschnitt. Die Jungweine präsentieren sich in Rheinhessen sehr fruchtbetont bei ausgeglichener Säurefrische. Besonders vom herausfordernden Jahrgang 2017 profitiert haben die spätreifen Sorten, wie der Riesling.

Saale-Unstrut (765 ha)
Für die Winzer an Saale und Unstrut ging ein gutes Jahr zu Ende. Größere Wetterprobleme hatte es in den geschützten, oft terrassierten Lagen an den Flüssen nicht gegeben. Ungewöhnlich lange reiften die Trauben, deren Lese Anfang September begann. Die trockenen Weine fallen filigran, fruchtig und leichtfüßig aus. Aber bis Mitte Oktober, dem Abschluss der Weinlese, konnten auch gehaltvolle Spätlesen geerntet werden. Mit geschätzten 58.000 hl liegt die Erntemenge sogar leicht über dem Vorjahresergebnis von 54.000 hl, ein Plus von rund 7 %.

Sachsen (499 ha)
Im östlichsten deutschen Weinbaugebiet blieben die großen Schäden durch Fröste ebenfalls aus. Dort stimmten die Mengen wie auch die Qualität. Fruchtige, saftige Weine mit guten Extrakten sind das Ergebnis. Die prognostizierte Erntemenge liegt mit rund 27.000 hl zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, aber dafür deutlich über dem langjährigen Mittel von 21.000 hl.

Württemberg (11.306 ha)
In manchen Fällen mussten 25 bis 30 % und in Regionen wie im Taubertal oder der Hohenlohe sogar 50 bis 60 % Minus verkraftet werden. Die Erntemenge im gesamten Gebiet liegt mit geschätzten 850.000 hl 20 % unter dem langjährigen Mittel und voraussichtlich 26 % unter dem Vorjahresergebnis. Ungünstiges Wetter zur Ernte erzwang vielerorts eine frühe und zügige Lese, die zum großen Teil so schnell wie selten innerhalb von drei Wochen abgeschlossen war. Das lag auch daran, dass die spät reifenden Sorten, gleich nach den Frühen geerntet werden mussten.

 

www.deutscheweine.de

jel / Redaktion TRINKtime

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