
VdF-Vorstandsvorsitzender Carsten Zellner konnte im schönen Steigenberger Hotel mit beeindruckender Gründerzeit-Architektur rund 200 Gäste und Mitglieder willkommen heißen. Acht gut aufgelegte Referenten präsentierten praxisrelevante sowie wissenschaftlich-fundierte Branchenlösungen, alles am Puls der Zeit ausgerichtet. Dabei beleuchteten sie das Schwerpunktthema Schulverpflegung aus verschiedenen fachlichen Ecken: der Hygiene, der Ernährung und der Technik. Siegfried Loewenguth von den Kliniken der Stadt Köln führte souverän durch das Programm und leitete die Podiumsdiskussion zur Schulverpflegung.
Den Auftakt machte Norbert Wittke, Geschäftsführer von Sicotronic. Er stellte mit der Leistungsoptimierung in strombetriebenen Großküchen eine intelligente Maßnahme vor, die Energiekosten um bis zu 40 Prozent senken und eine Amortisationszeit zwischen ein bis fünf Jahren erzielen lässt. Mehr Transparenz zu Energieverbräuchen von Großgeräten verspricht künftig ein Internettool, das Andreas Helm vom HKI präsentierte. Die Online-Datenbank des Herstellerverbandes wird voraussichtlich am 1. Januar 2012 freigeschaltet, und zwar unter www.grosskuechen.cert.hki-online.de.
Urs Jenny, Präsident der ENAK (Energetischer Anforderungskatalog an Geräte für die Verpflegung und Beherbung) aus der Schweiz erläuterte den Zuhörern, mit welchen konsequenten Maßnahmen die Alpenrepublik schon längst in die nachhaltige Gesellschaft (durch-) gestartet ist. Eine Selbstverständlichkeit sind dort etwa Fortbildungen für Großküchenbetreiber rund um Energieeinsparungen und staatliche Vorgaben zur Gewichtung der Energieeffizienz in Ausschreibungen.
In einem engagiert-launigen Vortrag zum Offensiven Marketing forderte Professor Anton Meyer von der Ludwig-Maximilians-Universität München sein verblüfftes Publikum auf, sich nicht AM Kunden zu orientieren. Das sei eine defensive Taktik, bei der man den Kundenerwartungen stets hinterherlaufe. Erfolgversprechender sei, eine Orientierung FÜR den Kunden anzubieten, also ein offensives Marketing zu betreiben.
Was
kennzeichnet gesundes Essen für Gäste der Gemeinschaftsverpflegung? Den
State of the Art dazu erläuterte der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), Professor Helmut Heseker von
der Universität Paderborn. Wichtig sei es, Ernährungsangebote für die
jeweiligen Gastsegmente wie Kinder, Jugendliche, Senioren oder Patienten
maßgeschneidert auf deren Bedürfnisse und Bedarfe anzubieten.
Das geeignete Tool dafür präsentierte Dr. Margit Bölts
von der DGE: Für jede Gastgruppe in der Außerhaus-Verpflegung stehen
spezielle Empfehlungen in Form der DGE-Qualitätsstandards zur Verfügung.
Dazu gehören unter anderem Checklisten, Rezepturen und ganzheitlich
angelegte Empfehlungen zu allen tangierenden Qualitätsbereichen. Sie
sind sowohl wissenschaftlich abgesichert als auch praxistauglich
An welchen Stellen Lebensmittelhygiene im EU- und im nationalen Recht wie verdrahtet ist, das zeigte Professor Alexander Prange
von der Hochschule Niederrhein in seinem Fachvortrag rund um
hygienische Anforderungen in der Außerhaus-Verpflegung. Der Experte für
Lebensmittelhygiene, der auch als Mitglied in einschlägigen
Normenausschüssen tätig ist, wies in dem Zusammenhang auf die zwingende
Notwendigkeit von Profis in der Schulverpflegung hin.
Schulverpflegung: Heroische Ansprüche zum Billigtarif?
Was
hilft der Schulverpflegung, um wirtschaftlicher und besser zu werden?
Eine Podiumsrunde aus Praktikern und Wissenschaftlern beleuchtete die
aktuelle Misere aus unterschiedlichen Perspektiven. Dr. Margit Bölts
forderte mehr Qualitätsbewusstsein von allen Akteuren. Vielerorts sei
zudem kein Verständnis für die Schulverpflegung vorhanden. Hans-Peter
Nollmann, stellvertretender VdF-Vorsitzender, bemängelte, dass oft viel
Geld in teure, aber meist ausschließlich als Ausgabeküchen angelegte
Schulmensen gesteckt werde. Die alleinige Fokussierung auf die
Warmverpflegung sei jedoch ein eklatanter Fehler zu Beginn der Planung
einer Schulmensa. Im Vergleich Cook and Chill versus Cook and Hold
erscheine aus hygienischer Sicht zunächst das entkoppelte System als das
Sensiblere, verdeutlichte Professor Alexander Prange. Doch schaue man
sich die tatsächlichen Bedingungen vor Ort mit meist viel zu langen
Warmhaltezeiten an, biete in der Summe das Cook and Chill-Verfahren
deutliche Vorteile. Thomas Brütt von Aramark als Vertreter eines
Schulcaterers in der Runde sah eine immense Diskrepanz zwischen der
Zahlungsbereitschaft von Eltern und Schülern und dem Idealbild von
Schulessen.
Highlight des Tages war der spannend-beeindruckende Vortrag eines Gastes, dessen Name weltweit wie kein anderer mit dem Begriff Nachhaltigkeit verknüpft ist: Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker von den Vereinten Nationen. „Wir könnten aus einer Kilowattstunde den fünffachen Wohlstand herausholen", lautete seine verblüffende These. Doch das erfordere eine Revolution, eine technologische Neuausrichtung. Zudem sei Energie heute zu billig - der Preis müsse steigen, und zwar im Gleichschritt mit der Energieeffizienz. Am Ende seines fulminanten Vortrages legte er den Zuhörern dieses ans Herz: die Suffizienz, also etwas mehr Genügsamkeit im (Arbeits-) Leben zuzulassen.
hel/Redaktion GVmanager