Berlin. Erstmals seit vielen Jahren muss der erfolgsverwöhnte Reisemarkt Deutschland rückläufige Zahlen zur Kenntnis nehmen, 25% Umsatzeinbruch bei organisierten Geschäftsreisen und 8% bei Tourismusreisen - insgesamt ein Umsatzminus von 13% auf 19 Mrd. Euro, so die Bilanz 2009 des Deutschen ReiseVerbands (DRV). Dennoch sind Reiseveranstalter und Reisebüros vorsichtig optimistisch für 2010. "Die Lust auf den Sommerurlaub steigt", erklärte DRV-Präsident Klaus Laepple am Mittwoch auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin.
Konsequenz der Entwicklung: Deutschland selbst
profitiert als Destination, 40 Prozent der Deutschen machten 2009 Urlaub im
eigenen Land, gegenüber 38% im Jahr davor. Weit dahinter folgen Italien
(13,2%), Österreich (8,4%), Polen (6,7%), Spanien (5,6%) und Frankreich (4,2%).
Als Gewinner wird die Türkei gehandelt, auch Ägypten kann sich im Spitzenfeld
halten. Die Zahl der inländischen Übernachtungen in Deutschlang stieg 2009 zwar
weiter leicht auf 314 Mio, konnte den Rückgang an Gästen aus dem Ausland (54,9
gegenüber 56,5 im Jahr 2008) aber nicht wettmachen.
Mehr Leistung für weniger
Geld
Laepple sprach vor
Journalisten von einem herausfordernden Jahr 2010. Die Reisebürobranche sei
vorsichtig optimistisch, aber nicht euphorisch. Grund dafür: Die Preise für
organisierten Urlaub sind so günstig wie noch nie, für Ferienreisen zahlt der
Konsument 2010 um bis zu 8% weniger wie im Jahr zuvor. Bereits 4,6% der
privaten Ausgaben gehen in Urlaubsreisen, und 50% aller Reisen werden über
Veranstalter und Reisebüros gebucht. In Zeiten des Internet sei das geradezu
eine "Renaissance" für die Branche, die dem Kunden 2010 "mehr
Leistung für weniger Geld" bieten kann. Dennoch: "Eine
Rabattschlacht wird es nicht geben", so der DRV-Präsident in Richtung
Last-Minute-Bucher. Die teilweise massiven Preissenkungen seien auf den
extremen Wettbewerb unter den Destinationen infolge der internationalen
Finanzkrise zurückzuführen, sagte Laepple. Er rechne damit, dass diese
"Stimulanz" zumindest zu einer Stabilisierung der Teilnehmerzahlen
bei organisierten Reisen führt, vielleicht aber auch zu einer leichten
Steigerung. Ob damit am Ende auch die Umsätze steigen, könne man nicht mit
letzter Sicherheit sagen. Die Reisebüros selbst werden allerdings nicht leiden,
da diese ihre Margen beibehielten. Trotz Krise behaupten sich
die Deutschen aber weiterhin als "Reiseweltmeister" und international
wichtigster Quellmarkt für Reisen. Mit 59,9 Mrd. Euro (gegenüber 61,5 Mrd. Euro
2008) geben die Deutschen mehr Geld für Auslandsreisen aus als jede andere
Nation, noch vor den USA. Laut DRV sind die Deutschen weiterhin der größte
Nettodevisenbringer im internationalen Reiseverkehr. Wermuthstropfen: Bei
Einnahmen wie Ausgaben aus dem internationalen Reiseverkehr lag Deutschland
2009 nur noch auf dem Niveau von 2005.(pte)