
Lern- und Lebensort Schule
Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung und Dr. Bernd Althusmann, der Präsident der Kultusministerkonferenz eröffneten den Kongress. „Die Ganztagsschule ist deutschlandweit zu einem Erfolgsmodell geworden. Sie steht für die Gestaltung von Schule als Lern- und Lebensort - für eine Schule, die sich an den individuellen Bedürfnissen und Kompetenzen von Schülern orientiert. Die Weiterentwicklung der Ganztagsschulen ist uns wichtig. Deshalb erarbeitet die Kultusministerkonferenz derzeit eine Empfehlung ‚Qualität von Ganztagsschulen‘. Sie soll Rahmenbedingungen des Gelingens von Ganztagsschulen festlegen und sich dabei an den Maßgaben für Schulqualität orientieren, die in vielen Ländern bereits vorhanden sind", äußerte sich Dr. Bernd Althusmann. Nach seiner Prognose sollen die Schülerzahlen in den kommenden Jahren um 1,8 Mio. schrumpfen. Und das Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund von heute wird auf 40 % angewachsen sein und dazu gehören auch die notwendigen Sprachkenntnisse. Ganztagsschulen können Kinder und Jugendliche besser und individueller fördern - unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Die Kinder erhalten ein warmes Mittagessen und werden am Nachmittag pädagogisch betreut. Eltern ermöglicht dies eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch längere Öffnungszeiten machen aus einer Schule noch keine gute Ganztagsschule. Schulen müssen sich weiterentwickeln, wenn sie ihre Schüler bestmöglich und zeitgemäß fördern wollen. Das fordert von Schulleitungen ein anderes Zeit- und Personalmanagement. Mit Recht betonte die Staatssekretärin, „die Ganztagsschule muss professionell gemanagt werden. Ganztagsschulen sind dann Schulen für mehr Bildungschancen, wenn die Angebote qualitätsvoll und nachhaltig sind. Das verweist nochmals auf den gerade genannten ersten Punkt - pädagogische Erneuerung und professionelle Organisation." Ganztagsschulen tragen dazu bei, das Bildungssystem in Deutschland leistungsfähiger und gerechter zu machen. Auf dem Kongress wurden auch die neuen Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (STEG) vorgestellt. Demnach führen z. B. Sport- und Musikkurse, die nachmittags an Ganztagsschulen stattfinden, nicht dazu, dass Kinder und Jugendliche weniger an außerschulischen Angeboten teilnehmen. Anders als von manchen befürchtet, leiden Sportvereine oder Musikschulen nicht unter dem Ausbau der Ganztagsschule. Doch eine erfolgreiche Ganztagsschule braucht mehr als ein warmes Mittagessen und ein paar Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag, betonten Experten.
Ernährungsbildung und Schulverpflegung
Am zweiten Tag stand auch das Thema Schulverpflegung auf der Agenda. Mit der Einführung der Ganztagsschulen erleben Lehrer und Schüler einen rasanten Wandel. Wo immer noch lauwarme Ravioli von einer Kochmüttern oder Schülern aus der Mikrowelle gezogen werden, sollen professionelle Köche wertvolle Menus anbieten. In einem Workshop mit zwei Impulsvorträgen versuchte man dem sehr komplexen Thema Schulverpflegung gerecht zu werden. Beeindruckend war dabei der Beitrag von Christoph Bier von Vernetzungsstelle Schulverpflegung Saarland. Er ging in seinem Beitrag auf die wichtige Beziehung von Ernährungsbildung und Schulverpflegung ein. Schulverpflegung erreiche alle Kinder unabhängig vom sozialen Status und in der Kindheit werden Ernährungs- und Bewegungsverhalten auf Dauer gelernt, so seine Aussage. Kinder würden Ernährungsbildungsangebote begeistert annehmen. Im Gegensatz würden Erwachsene nur in Ausnahmefällen ihr Ernährungsverhalten dauerhaft ändern. Habitualisierungen im Kindesalter entwickelten sich zu Überzeugungen und Einstellungen im Jugend- und Erwachsenenalter und deshalb komme dem Thema Ernährungserziehung und damit der Qualität der Schulverpflegung so eine entscheidende Bedeutung zu. Ihm und dem ganzen Workshop hätte man ein breitere Resonanz und Beachtung im gesamten Kongress gewünscht. Mit dabei waren Alexandra Lienig, Thüringen; Dr. Maren Daenzer-Wiedmer, Brandenburg; Sabine Mehring, Bayern; Melanie Nitschke, Sachsen-Anhalt und Meike Halbrügge, Mecklenburg-Vorpommern.
Fazit
Schulen müssen sich weiterentwickeln, wenn sie ihre Schüler bestmöglich und zeitgemäß fördern wollen, lautete die Forderung des Kongresses, der der Beratung und Begleitung von Ganztagsschulen dienen sollte. Schade, dass dem Thema Ernährungsbildung und Ernährungserziehung so wenig Raum und Aufmerksamkeit gegeben wurde, denn eine Ganztagsschule ist sowohl für den „Kopf, als auch für den Bauch" der Schüler zuständig. Erst recht muss auch die Schulverpflegung an den Ganztagsschulen professionell gemanagt werden. In der Tat aber haben die Schulen eine Mammutaufgabe vor sich und die Kommunen müssen mit 80 % den Großteil der Kosten tragen.
Redaktion Schulverpflegung/ dmp