
München. Zum „Koch des Jahres" wurde der „Pionier der deutschen Gewürz- und derzeit so modischen Gemüseküche" gekürt: der 47-jährige Andree Köthe vom Nürnberger „Essigbrätlein".
Eine höhere Bewertung als Köthe haben in dem nach dem französischen Schulnotensystem urteilenden Guide nur 12 deutsche Köche. In die Phalanx der mit 19,5 Punkten höchstbewerteten Küchenchefs stieg Sven Elverfeld vom Restaurant „Aqua" in Wolfsburg auf.
Ihre 19,5 Punkte aus dem Vorjahr bekamen wieder Harald Wohlfahrt von der „Schwarzwaldstube" in Baiersbronn-Tonbach für „nie nachlassende kreative
Energie, unbestechlichen Gaumen und absoluten Willen zur Perfektion", Helmut Thieltges vom „Waldhotel Sonnora" in Dreis bei Wittlich in der Südeifel wegen „seiner Küche von der Leichtigkeit, aber zugleich auch Tiefe einer Mozartmelodie", Joachim Wissler vom „Vendôme" in Bergisch Gladbach als „Deutschlands weltoffenster Koch mit dem Ehrgeiz und der Ernsthaftigkeit eines Hohenpriesters der internationalen Avantgarde" und Klaus Erfort vom „GästeHaus" in Saarbrücken, „der die Kulinarik nicht neu erfinden, sondern ihr bloß in aller Bescheidenheit das absolute Optimum abgewinnen will".
Diesem Quintett folgen mit je 19 Punkten Thomas Bühner vom „La Vie" in Osnabrück für seine „reine Harmonielehre auf jedem Teller", Christian Jürgens von der „Überfahrt" in Rottach-Egern am Tegernsee für das „Bestreben, die Seele eines Produkts auf das Bestmögliche darzustellen", Christian Bau vom „Schloss Berg" im saarländischen Perl-Nennig, der „leider ohne lockere Beschwingtheit der Küche den Weg in die Zukunft weisen will", Hans Stefan Steinheuer von „Steinheuers Restaurant zur alten Post" in Bad Neuenahr, der „durch den kühl kalkulierten Einsatz der würzenden Zutaten prononcierte Herzhaftigkeit erreicht", Heinz Winkler von der „Residenz Heinz Winkler" im oberbayerischen Aschau für „eine Küche von erhabener Leichtigkeit bei gleichzeitig tiefgründigen Aromen", Nils Henkel vom „Schloss Lerbach" in Bergisch Gladbach, der „alle technischen Möglichkeiten zeitgenössischer Kulinarik nutzt, um ein sehr gutes Produkt in all seinen Facetten zu zeigen" sowie Tim Raue vom gleichnamigen Restaurant in Berlin, der diese Note erstmals erreichte, weil er „aus seinen umfangreichen internationalen Erfahrungen eine persönliche Essenz der asiatischen Küche destillierte". Er kreierte auch das „Menü des Jahres", das im „Prinzip höchster Leichtigkeit" u.a. thailändische Tageslilie, neuseeländische „8 head" Abalone und Taube in Sichuangewürzen bietet. Auf 18 Punkte steigerten sich der „spielerisch-heiter und technisch ausgefeilt kochende" Hans Horberth vom „La Vision" in Köln und der „sensorische Ekstase und emotionale Freude vereinende" Christoph Rainer von der „Villa Rothschild" in Königstein/Taunus. Insgesamt erkochten 30 Köche 18 Punkte, die für „höchste Kreativität und bestmögliche Zubereitung" stehen; 19,5 und 19 Punkte bedeuten Weltklasse.
Von den 42 deutschen Topköchen, die 18 bis 19,5 Punkte bekamen, stehen 11 in NRW, 6 in Baden-Württemberg und je 5 in Bayern und Rheinland- Pfalz am Herd. 17 Punkte erreichten erstmals 16 Köche, unter ihnen Douce Steiner vom „Hirschen" in Sulzburg (Südbaden), die damit höchstbewertete Köchin in Deutschland ist. Für ihre „sehr mundwässernd komponierten Gerichten der vielseitigen Speisenkarte, ihre besondere Liebe zu Gemüse und Kräutern sowie ihr Händchen für für leichte Saucen" wurde sie „Aufsteiger des Jahres". Dieselbe Note schafften auf Anhieb die Küchenchefs zweier neu eröffneter Restaurants: Franz Berlin, 28, von „Berlin's Krone" in Bad Teinach (Nordschwarzwald) und Dirk Hoberg, 30, vom „Ophelia" in Konstanz. Die „feenhafte, aber selbstbewusste Küche" der 26-jährigen Kimberley Unser des ebenfalls neueröffneten „Seven Swans" in Frankfurt stellen die Tester als „Entdeckung des Jahres" vor, weil sie „essbare Landschaften auf den Teller zaubert und ihre scheinbar unbekümmerte Gute-Laune-Küche mit Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Bio-Qualität bietet".
869 Restaurants ausgezeichnet, darunter 102 in den neuen Bundesländern Insgesamt bewertet der alljährlich wegen seiner strengen Urteile und deren zuweilen sarkastischer Begründung von den Köchen gefürchtete, von den Feinschmeckern mit Spannung erwartete Gault Millau in seiner neuen Ausgabe 1060 Restaurants. Die 25 Tester, die stets anonym auftreten und dieses Jahr 282.000 Euro Spesen machten, verliehen 869 Luxuslokalen und Landgasthöfen, Bistros und Hotelrestaurants die begehrten Kochmützen. Dazu mussten die Köche mindestens 13 von 20 Punkten erreichen, was einem Michelin-Stern nahe kommt. Auch 102 Küchenchefs in den neuen Bundesländern erkochten diese Auszeichnung. An ihrer Spitze stehen mit 18 Punkten Oliver Heilmeyer vom „17fuffzig" in Burg (Spreewald) und Dirk Schröer vom „Caroussel" in Dresden. Ihnen folgen mit 17 Punkten der Italiener Marcello Fabbri vom Restaurant „Anna Amalia" in Weimar, Benedikt Faust vom „Berliner Salson" in Göhren auf Rügen, Tillmann Hahn vom „Butt" in Rostock-Warnemünde, Stefan Hermann vom „Bean & Beluga" in Dresden, Ronny Siewert vom „Friedrich Franz" in Bad Doberan-Heiligendamm sowie die beiden Leipziger Detlef Schlegel vom „Stadtpfeifer" und Peter Maria Schnurr vom „Falco".
Da auch die Welt der Gourmandise im ständigen Wandel ist und die Plätze im Feinschmeckerparadies immer wieder neu gerührt und erkocht werden, servierte der Gault Millau im Vergleich zur Vorjahrsausgabe 119 langweilig gewordene Restaurants ab und nahm 119 inspirierte Küchen neu oder wieder auf. 118 Köche wurden höher, 116 niedriger als im letzten Guide bewertet.
Außer dem Koch und dem Aufsteiger sowie der Entdeckung und dem Menü des Jahres zeichnete der Guide noch weitere kulinarische und gastronomische Leistungen aus:
mp, RbB