
"Vor allem Russland, Polen und Bulgarien sind beim 1. Europäischen Gemüseschnitzwettbewerb sehr stark vertreten. Die Zuschauer werden wirklich außergewöhnliche Kunstwerke zu sehen bekommen", verspricht der 1. Vorsitzende des Xiang Wang Food Artistic Vereins, Bernd Fabian. Der Verein, der von enthusiastischen Schülern des aus China stammenden zweifachen Weltmeisters im Gemüseschnitzen Xiang Wang gegründet wurde, richtet den Wettstreit gemeinsam mit der Leipziger Messe aus. Fabian selbst entdeckte vor über sechs Jahren, dass Obst und Gemüse neben Vitaminen noch ganz andere "innere Werte" haben. In Leipzig tritt der Koch und Küchenmeister aus dem brandenburgischen Guben in einem dreiköpfigen Team an. Um mit seinen Mitstreitern zu trainieren, "opferte" der 46-Jährige sogar zwei Wochen Urlaub.
Kürbishelm und Rettichschwert
"Was wir zeigen, wird noch nicht verraten!", betont Bernd Fabian - doch für Überraschungen ist der Brandenburger auf jeden Fall gut. Zu seinen Meisterstücken zählt zum Beispiel eine Skulptur mit Rettichschwert, römischem Kürbisschild und -helm auf einem Kürbissockel. An einer über drei Meter hohen Hochzeitstorte aus Gemüse oder einem drei Meter langen Kürbis-Pfau mit liegendem Schwanz hat Fabian ebenfalls mitgeschnitzt. Im Alltag zaubert er mindestens drei Mal pro Woche mit flinkem Messer und Meißel filigrane Blüten oder kunstvolle Tierchen aus Kohlrabi oder Rettich, mit denen er seine Partyservice-Kunden verblüfft.
Zehn Minuten für eine Kohlrabiblüte
"Zwischen zehn und 15 Minuten arbeite ich an einer Blüte", erzählt Winfried Karras aus Spremberg. Der 61-Jährige wird in Leipzig im Einzelausscheid ins Rennen gehen. Am liebsten formt Karras Blumen aus Rettich und Kohlrabi und gestaltet ganze Zierkörbe. Ihn fasziniere, die Natur nachzuformen, so der Koch und Besitzer einer Gaststätte mit Pension. Schon vor etwa 15 Jahren hat Karras seine Leidenschaft für das Gemüseschnitzen entdeckt; jetzt schnitzt er an drei Tagen in der Woche: "Ich dekoriere damit kalte Buffets für Gäste, die bei uns feiern."
Kalte Platte mit Wow-Effekt
Lilia Thobe aus Emstek in Niedersachsen lässt am liebsten Rosenbouquets aus Melonen aufgehen oder macht eine Ananas zum Papagei. Nichts gehe über den Wow-Effekt und die Begeisterung, die ein solches Kunstwerk zum Beispiel auf einer Hochzeitstafel auslöse. "Meine zehnjährige Tochter hab ich auch schon angesteckt", erzählt die 45-Jährige. Thobe kommt ursprünglich aus Russland; dort war Holzschnitzen ihr Hobby. 2008 ist die Selbstständige, die unter anderem ein Übersetzungsbüro betreibt, auf Obst und Gemüse umgestiegen. Inzwischen gibt sie Kurse in dieser Kunst. In Leipzig wird sie zum ersten Mal bei einem Wettbewerb antreten und ist "schon ganz aufgeregt." Worauf es vor allem ankommt? "Scharfe Messer sind das A und O!", meint Lilia Thobe.
Treffen der Kochartisten
Beim "1. Europäische Gemüseschnitzwettbewerb" auf der Fachmesse für Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung GÄSTE treten 26 Teilnehmer im Einzelwettbewerb sowie elf Teams an. Angemeldet sind Kochartisten aus insgesamt neun Ländern. Damit wird in Deutschland erstmals eine so große Zahl von Schnitzkünstlern ihr Können live innerhalb eines festen Zeitlimits zeigen. Der Wettbewerb wird künftig alle zwei Jahre an wechselnden Orten ausgetragen, die nächsten Stationen sind Russland und Bulgarien.
Im Einzelwettbewerb gestalten die Gemüseschnitzer am 4. September Garnituren für zwei Cocktails und für einen etwa 30 Zentimeter großen Teller. Am 5. September muss in vier Stunden vor den Augen der Jury ein Schaustück entstehen. Dafür steht ein Korb mit Melone, Papaya, Kohlrabi, Gurken, Rettich, Chinakohl und Karotten bereit. Zudem darf ein Kürbis verarbeitet werden. Auch im Teamwettbewerb am 6. September muss jede Mannschaft in vier Stunden eine kreative Komposition aus vorgegeben Obst- und Gemüsesorten schnitzen. Zusätzlich sind die Besucher an allen drei Messetagen zum Gemüse-Showschnitzen mit dem Xiang Wang Food.Artistic e.V. eingeladen (Halle 1, Stand A 20).
Die GÄSTE - Fachmesse für Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung vom 4. bis 6. September 2011 täglich 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 12,00 Euro und ist gleichzeitig für die Messe FleiFood sowie den Genießertreff LE GOURMET gültig. Weite Infos unter www.gaeste.de
hel/Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit