
Salzburg. Wenn aus Fastfood Slowfood wird, hat sicherlich der Bratwender von Spitzenkoch Sergio Herman seine Finger in der Pfanne. Sein Austern-Hamburger ist kein schnelles Essen, sondern gehört zu den sorgfältig komponierten Kreationen, mit denen er sich in den exquisiten Kreis der Drei-Sterne-Chefs gekocht hat. Seine Küche ist ein großes kulinarisches Experiment mit einer unverwechselbaren Handschrift: spontan, schnell, passioniert, aufrichtig und anspruchsvoll gegenüber sich selbst und seinen Mitarbeitern.
Lange bevor der
Niederländer sein Sterne-Trio erhielt, musste er sich eine Frage beantworten:
Was macht ein junger Mann, dem es an konkreten Berufswünschen fehlt? Die
Antwort: Er steigt in die Fußstapfen seinen Vaters, der ein Restaurant besitzt.
Damit er dieses auch standesgemäß füllen konnte, besuchte er die Berufsschule
in Brügge in Belgien. Nach einem Praxisjahr im De Swaen bei Cas
Spykers in Oisterwijk nahe Eindhoven kam der angehende Spitzenkoch zurück
in seine Heimat - in die Küche seines Vaters im Restaurant Oud Sluis. Im
Gegensatz zu anderen jungen Köchen verzichtete er auf berühmte Lehrmeister und
brachte sich kurzerhand die Haute Cuisine selbst bei. Seine autodidaktische
Kochlehre begann Herman 1990 - das Ende ist noch lange nicht in Sicht.
Ganz seiner Philosophie entsprechend, die besagt: Die Entwicklung der Kochkunst
kommt nie zum Stillstand.
Hermans Kreationen sind kulinarische Expeditionen, sie
beginnen in der Region, halten sich an die Saison und enden auf eindrucksvolle
Weise im Oud Sluis. Eines seiner ersten Rezepte war, das bescheidene
Ausflugslokal seines Vaters mit einem Schuss Haute Cuisine in einen Gourmettempel
zu verwandeln. Dazu benötigte der Sternekoch ein unbezahlbares und zugleich
exquisites Equipment: Talent, molekulare Fachkenntnisse und großen Einsatz. Mit
diesen drei Komponenten kreiert er kulinarische Abenteuer wie den Wolfsbarsch
mit gefüllten Schwertmuscheln, Kuskusperlen mit Keimlingen und frischen
Trieben, Fisch-Knoblauch-Zitronensuppensaft und eine Emulsion aus
marokkanischem Gemüse oder das bei niedriger Temperatur gekochte Hamachi mit
Seelandhummer und frischen Gurken-, Fenchel- und Selleriesalat mit
Dashi-Vinaigrette.
Dass sich solche Abenteuer
nur selten verheimlichen lassen, beweisen der erste Michelin-Stern 1995
und die nächsten zwei 1999 und 2005. Vom niederländischen Restaurant-Guide Lekker
wurde der Ausnahmekoch dreimal auf den ersten Platz gewählt und der Gault
Millau machte ihn 2007 und 2008 zum Koch des Jahres. Am 26. Oktober 2009
stand für einige Sekunden die Kochwelt still, als die höchste Punkteanzahl im
Gault Millau keinem geringeren als dem Spitzenkoch Herman zugesprochen wurde.
Er ist der erste Küchenchef außerhalb Frankreichs, dem diese delikate Ehre
zuteil wurde. Sergio Herman - 20 points! Bislang erhielt nur der Franzose Marc
Veyrat die begehrte Punkteanzahl.
Wer auf der Suche nach Sergios
niedergeschrieben Gourmet-Abenteuern ist, findet im Smaken uit Sluis und
im Sergio die richtige Lesekost. Letzteres ist weit mehr als ein
Kochbuch: Es besteht aus drei Bänden und beinhaltet ein Porträt von Sergio
Herman, ein Text- und Fotobuch, ein verführerisches Fotoalbum mit Gerichten
und ein Handbuch mit einer exklusiven Rezeptsammlung.
Der Niederländer gehört zu
den wenigen Köchen, die im Besitz von drei Sternen sind. Zu verdanken hat er
das einem ganz besonderen Lehrmeister: sich selbst. Seine Kompositionen sind
geschaffen für Gourmets, die auf der Suche nach einem nie enden wollenden
Abenteuer sind. Zu bestellen ist der kulinarische Nervenkitzel im verschlafenen
Städtchen Sluis, Bestenmarkt 2. Eet smakelijk!
Foto: von links nach rechts:
Martin Klein (Küchenchef), Roland Trettl (Executive Chef), Eckart Witzigmann
(Patron) und Ondrej Kovar (Service Chef) photocredit: Helge
Kirchberger / Red Bull Hangar-7