Berlin. Der Boom bei Schiffsreisen aller Art scheint ungebremst zu sein. Nach Angaben der Cruise Lines International Association CLIA ist die Zahl der Passagiere seit 2000 weltweit um 80 Prozent gestiegen. Allein im Vorjahr haben 13,4 Mio. Touristen eine Traumschiff-Reise unternommen. Vor allem in Europa ist die Tendenz weiter steigend.
Kein Wunder, dass auf der diesjährigen ITB Berlin Reedereien wie auch Veranstalter von See- und Flusskreuzfahrten gut vertreten
sind. "Wir haben in Europa eine Marktdurchdringung von einem Prozent,
während in den USA drei von 100 Urlaubern eine Kreuzfahrt buchen", erklärt
Pier Luigi Foschi, Chairman und CEO von Costa Crociere, Europas größter
Kreuzfahrtreederei, erst kürzlich.
Karibik als Badewanne der
Amerikaner
Nach wie vor rangiert die
Karibik, die auch als "Badewanne der Amerikaner" titutliert wird,
unangefochten an erster Stelle unter den Kreuzfahrern. Sie schafft einen Marktanteil
von 70 Prozent. Da das Geschäft in den USA derzeit aufgrund der schwierigen
Wirtschaftssituation eher dümpelt, nehmen US-Reedereien zunehmend Kurs auf
Europa. Besonders gefragt sind das Mittelmeer und die Ostsee. Neue Megaliner, die in
diesem Jahr in Betrieb gehen werden, fassen zwischen 4.000 und 5.000
Passagiere. Die "Oasis of the Sea", das derzeit größte Schiff, das im
Dezember 2009 in Betrieb genommen wurde, bietet 5.400 Gästen Platz. Allein 2010
sollen 27.000 neue schwimmende Hotelbetten an die Reedereien geliefert werden.
Kritik wegen
Umweltverschmutzung
Forscher haben errechnet,
dass ein Schiff wie die Queen Mary 2 soviel Feinstaub produziert wie rund
50.000 Autos, die mit Tempo 130 fahren. Experten wie Lars Mönch,
Fachgebietsleiter für Schadstoffminimierung bei Umweltbundesamt UBA, nennen
zudem erhebliche Belastungen mit Schwefel- und Stickoxiden. Europäische Häfen
haben in diesem Jahr die Schwefelbalstung von Schweröl - mit dem die meisten
Schiffe fahren - auf 0,1 Prozent reduziert. "Trotzdem ist der
Schwefelgrenzwert für Schiffskraftstoffe immer noch 100-fach höher als der für
den Straßenverkehr", so Mönch. Bei Stickoxiden setzt die Internationale
Seeschifffahrtsorganisation IMO ab 2011 Grenzwerte fest, die etwa dem aus dem
Straßenverkehr von Anfang der 90er-Jahre entspricht.
Treibhausgasbelastung
derzeit nicht im Emissionshandel
Nach mehreren
übereinstimmenden Studien steuert die gesamte Seeschiffahrt - inklusive der
Handels- und Containerschiffe - 2,7 Prozent zu den globalen CO2-Emissionen bei.
Das liegt in etwa in der Größenordnung des weltweiten Luftverkehrs. Die
EU-Kommission plant daher, den Emissionshandel nicht nur auf den Luftverkehr,
sondern auch auf die Seeschifffahrt auszuweiten. Eine Möglichkeit, den
Schiffsverkehr klimafreundlicher zu gestalten, wäre der Umstieg auf Dieselöl,
eine zweite, Schiffe, die im Hafen liegen, mit Landstrom zu versorgen. Zudem
müssen Schiffsabwässer durch gute Klärtechnik entsorgt bzw. an Kläranlagen in
den Häfen angebunden werden. Ob und wie die einzelnen
Reedereien auf die Forderungen der Umweltschützer reagieren, bleibt großteils
ihnen selbst überlassen. Mitgliedsunternehmen des European Cruise Control, des
Lobbyverbands europäischer Reedereien, haben sich laut Foschi dazu verpflichtet,
die Umwelt zu schützen und die ökologischen Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen
Aktivitäten zu evaluieren. Das gilt auch für Auswirkungen auf die angelaufenen
Destinationen.