
München. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz von BFT e.V. Bürger für Freiheit und Toleranz, dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband BHG-DEHOGA Bayern und dem Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur VEBWK e.V. stellte das beauftragte Institut MIFM Münchner Institut für Marktforschung und dessen Leiter Helmut Aumüller eine repräsentative Stichprobe vor. Zwischen Mai bis Juli 2011 wurden bayernweit über 600 Gastronomiebetriebe telefonisch und persönlich befragt, die der Gattung „Getränkegeprägte Kleingastronomie" angehören.
Eine solche Differenzierung gelang erstmals und wurde durch ein aufwändiges Screening-Verfahren möglich. Bislang basierten fast alle gängigen Untersuchungen dieser Art auf sehr pauschalen Zusammenfassungen aus Datenbanken, die im Zuge der aktuellen Bearbeitung erhebliche Fehlerquellen aufwiesen. So befanden sich u. a. sogar ein pensionierter Lehrer, Fast Food-Betriebe und ein Sterne-Restaurant in der Rubrik „Getränkegeprägte Gastronomie". Mit der nun vorgestellten Studie erhält man genaue und belastbare Detailergebnisse. Die Resultate schaffen eine neue Beurteilung der Situation.
Befragt wurden sechs verschiedene Betriebsarten: Bar/ Lounge, Bistro, Coffee Shop, Disco/ Club, Gaststätte und Kneipe. Die Untersuchung hielt sich sehr eng an der Struktur der Grundgesamtheit und kann somit als repräsentative Stichprobe gewertet werden. Über 600 Betrieben antworteten, wovon 410 Interviews berücksichtigt wurden. Die Grundgesamtheit der sechs Betriebsarten beträgt 6.747 Lokale. Etwa zwei Drittel der Betriebe befinden sich in Südbayern, ein Drittel in Nordbayern. Über 70 % gehören der Gattung Kleingastronomie bis 99 m² an, 3/4 der Befragten waren Inhaber, und 68 % der Betriebe haben ein bis drei Mitarbeiter. Damit wurde ein sehr reales Bild der bayerischen Kneipenlandschaft gezeichnet.
Hier einige Ergebnisse im Überblick:
- Eine große Mehrheit hält das Rauchverbot für eher schlecht
- Rund 30 % der Gäste bleiben weg
- Fast 2/3 der Gäste bleiben kürzer
- 70 % der Kunden sind Stammgäste
- Auch die Mehrheit der Stammgäste kommt seltener seit der Einführung des Rauchverbots
- Zwei Drittel beklagen Umsatzrückgänge, im Schnitt um 28 %
- Im Durchschnitt sind rund 60 % der Gäste Raucher
- Die große Mehrheit der Gäste hält sich an das Rauchverbot
- 1/3 der betroffenen Gastronomen hat bereits Entlassungen oder Arbeitszeitverkürzungen vorgenommen, bzw. überlegt, dies zu tun
- Entlassungen treffen Festangestellte und Aushilfskräfte gleichermaßen
- 47 % kennen Wirte, die ihren Betrieb wegen des Rauchverbots geschlossen haben, bzw. über eine Schließung nachdenken
- Knapp 30 % der Befragten denken selbst über eine eventuelle Schließung nach
Dazu meinten die Vertreter der Initiatoren:
Bodo Meinsen, Vorsitzender BFT e.V. Bürger für Freiheit und Toleranz:
„Wir sehen in den Ergebnissen die Bestätigung, dass mit dem bayerischen Rauchverbot eine falsche Wirkung erzielt wurde. Hier wurde auf dem Rücken der Kleingastronomie eine Strategie umgesetzt, die eigentlich andere Ziele verfolgt. Die dadurch entstandene Verzerrung und Ungerechtigkeit sollte die Gesellschaft nicht länger hinnehmen und die mitverantwortlichen politischen Instanzen täten gut daran, nach einem Jahr das Gesundheitsschutzgesetz und dessen Anwendungs-bestimmungen auf den Prüfstand zu heben."
Angela Inselkammer, BHG-DEHOGA Bayern:
„Die Studie belegt, dass im Falle des Rauchverbotes bei den Wirtshäusern und Kneipen genau das eingetreten ist, worauf wir im Vorfeld hingewiesen haben: Rückläufige Umsätze, die viele kleinere Betriebe vor das wirtschaftliche Aus stellen. Und die weiteren geplanten Reglementierungen wie z.B. die Sperrzeitverlängerung werden diesen Prozess noch beschleunigen. Die Frage ist nur, ob sich alle der Tragweite dieser Eingriffe in die unternehmerische Freiheit bewusst sind und die wirtschaftlichen wie auch sozio-kulturellen Konsequenzen daraus auch wirklich so mittragen wollen."
Franz Bergmüller, Vorsitzender VEBWK e.V.
„Bereits heute gibt es in etwa 500 bayerischen Gemeinden kein klassisches Wirtshaus mehr. Bei etwa 2.200 Gemeinden insgesamt, ist das immerhin ein Anteil von fast 23 %. Der Kommunikationstreffpunkt entfällt, Alternativen gibt es nicht. Wenn überhaupt, dann blüht eine Graugastronomie im privaten Umfeld auf. Und dort wird dann auch geraucht. Somit sehen wir in der Behandlung der Kleingastronomie eine sehr relevante Ungerechtigkeit, denn die Wirte verlieren reihenweise ihre Existenz, während dem Gesundheitsschutz keine nennenswerte Verbesserung zugekommen ist."
Dr. Werner Gloßner, Private Brauereien Bayern e.V.
„Bierige Wirtschaften mit wenig Frequenz spüren die negativen Auswirkungen deutlich. Vor allem auf dem Land fehlt der Kern des Landgasthofes, wenn sich der Stammtisch im Schützenheim oder privat trifft. Gerade in derartigen Objekten liegt der Rückgang des Bierabsatzes bei 10 bis 15 %, mancherorts bei bis zu minus 20 %."
Im Bild (v.l.n.r.): Franz Bergmüller, Angela Inselkammer, Helmut Aumüller, Bodo Meinsen, Hans Koller (VEBWK), Dr. Werner Gloßner
mth/24 Stunden Gastlichkeit
An alle Freunde der nicht rauchfreien Geselligkeit,
ich möchte hier auf die noch laufende Petition gegen das geplante totale Rauchverbot in NRW hinweisen. Jeder, der keine weitere Verschärfung will, möge bitte dabei mitmachen und auch dafür werben.
Danke
http://www.openpetition.de/petition/online/kein-neues-nichtraucherschutzgesetz-in-nordrhein-westfalen
Das ganze Problem liegt auf Regierungsseite, die immer wieder versuchen Wege um die Gesetze herum zu finden. Bei einheitlichem Rauchverbot gibt es keine Wettbewerbsverzerrung, warum soll ich die Kneipe wechseln wenn ich beim Nachbarn auch nicht Rauchen darf. Vor allem sollte man sich vor Augen halten das dies ein Nichtraucherschutzgesetz ist und kein Raucherdiskreminierungsgesetz. Sind wir doch mal Ehrlich möchten Sie als Nichtraucher in einer verqualmten Kneipe oder Restaurant ihr Geld verdienen müssen?
Nun mal Hand aufs Herz, jeder Raucher gibt insgeheim zu, dass er froh wäre dieses Laster ablegen zu können, spricht man aber öffentlich darüber fühlen sich alle Unfair behandelt, diskreminiert oder ausgegliedert. Wem bringt die Qualmerei denn etwas außer den Tabakkonzernen und dem Finanzamt. Über sämtliche Steuern regen wir uns auf, da bezahlen wir freiwillig und schädigen uns selber. (Seltsam oder?)
Ich kann nicht verstehen, warum man sich wegen des Rauchverbotes so aufregt, in vielen Ländern Europas ist Nichtrauchen ganz normal.
Die Gesundheit sollte uns dies wert sein. Wer raucht soll vor die Tür, dann bekommt er wenigstens frische Luft.
Es verwundert mich als Kneipenwirt in einer rheinischen Metropole mit erheblichem Gemütlichkeitsbedarf, dass die Bayern sich so aufregen. Waren doch die meisten der Wähler f ü r eine grundsätzliche Nichtraucherregelung in allen gastronomischen Betrieben. Das würde ich auch hier in NRW begrüßen, wenn es konsequent durchgezogen würde. Aber dieser Misch-Masch aus weiteren Nischen-Regularien verunsichert alle und macht gesundheitspolitisch überhaupt keinen Sinn. Dann lieber "rücksichtsvoll" rauchen lassen, um die Gäste nicht alle 10 Minuten in den Regen schicken zu müssen...Bald stehen die meisten Wirte mit leeren Taschen daneben, ob mit oder ohne Glimmstengel in der Hand.
So ist es leider und es wird noch schlimmer werden. Wer sehen will, wie sich unsere Wirtshauskultur weiterentwickelt, der muß nur in die USA reisen. Dort wird höchstens noch schnell gegessen und getrunken, danach schnell wieder weg. Längeres Verweilen bei Bier, Zigarette und netten Gesprächen entfällt total. So wird es auch bei uns kommen, und die netten Kneipen werden immer mehr aussterben!
Auch ich meide Gaststättenbesuche seit dem Rauchverbot total. Wenn ich zum Rauchen wie ein Hund vor die Tür geschickt werde, ist das einfach unter meiner Würde. Früher war einmal der Kunde König.
Die Wirte können nichts dafür, aber unter diesen Voraussetzungen bleibe ich lieber zu Hause, wo ich eine Hausbar ohne Rauchverbot vorfinde.
Dass die Studie stimmt, müsste jedem klar sein, der mit offenen Augen durch die Stadt geht. Die kleinen Kneipen und Bars haben überwiegend rauchende Stammgäste, die bei schönem Wetter vor der Tür sitzen. Bei schlechtem Wetter oder im Winter bleiben viele von denen zu Hause oder sie gehen früher. Das ergibt dann in der Summe dem 30 % igen Umsatzverlust, den auch die Studie ergeben hat. Was gibt es daran zu zweifeln? Außerdem ist die Studie aufgrund der vorgelegten Zahlen nachprüfbar, was man zum Beipiel bei der These mit den 3301 angeblíchen Passivrauchtoten nicht behaupten kann. Viele kleine Kneipen werden den Winter nicht überleben und die Österreichen, Tschechen usw. freuen sich. Das totale Rauchverbot ist völlig lebensfremd, kostet Arbeitsplätze, zerstört die Kneipenkultur in Bayern und sollte deshalb wieder geändert werden.
Paul
Hallo,
solange an den Kneipen in meiner Umgebung laut Aushang nur Club-Mitglieder zutritt haben, bzw. nach wie vor Nichtraucher unerwünscht sind, sind die Kneipenwirte selber schuld!
Der Gästemangel liegt also am Unwillen der Wirte auch Nichtraucher als Gäste zu gewinnen.