
Hohenheim. Statt in
getrockneter Form könnten Petersilie, Knoblauchzehen, Koriander, Majoran und
Sellerie in Zukunft als Paste angeboten werden. Wissenschaftler der
Universität Hohenheim erforschen
derzeit diese Alternative zur Trocknung heimischer Gewürze und Kräuter. Das
Ziel ihrer Labor- und Technikumsexperimente lautet, Haltbarkeit bloß durch
kurzes Erhitzen zu erreichen, ohne dass Konservierungsstoffe benötigt werden.
"Das Aroma von Würzpasten soll dem der frischen Pflanzen möglichst nahe
kommen. Dazu müssen die Gewürze mikrobiologisch stabilisiert und der
Qualitätsverlust, der sonst beim Trocknen und bei der Lagerung eintritt, gering
gehalten werden", berichtet der Lebensmittelforscher Dietmar Kammerer.
Während exotische Kräuter-
und Gewürzpflanzen oftmals an der Sonne getrocknet werden, geschieht das bei
heimischen Arten durch energie- und daher auch kostenintensivere Methoden wie
etwa die Gefriertrocknung. "Das hat zur Folge, dass etwa Petersilie
charakteristische Aromakomponenten verliert", so Kammerer. Die anschließende
Vermahlung muss bisher mit flüssigem Stickstoff erfolgen, um Verklumpungen und
Staubexplosionen zu verhindern. Der neue Ansatz versucht, Kräuter im
geschlossenen System nur kurz zu erhitzen und dabei bis zu 85 Prozent Energie
einzusparen. Entweder blanchiert man dazu erntefrisch vermahlene Kräuter mit
Wasserdampf und erhitzt sie durch Strom für einige Sekunden auf 100 Grad oder
man setzt auf ebenso kurze Mikrowellen-Erhitzung. "Als Endprodukt erhält
man eine Paste, die in der Tube, im Folienbeutel oder auch im Glas verpackt
werden kann", so der Hohenheimer Wissenschaftler.
Beide Aufbereitungsmethoden
versprechen ein intensiveres Aroma der Paste, da leichtflüchtige ätherische Öle
der Kräuter nicht verloren gehen. "Die Erwärmung zu Beginn der
Verarbeitung erfolgt nur so hoch wie nötig, sie zerstört jedoch unerwünschte,
qualitätsmindernde Enzyme der Pflanze. Darunter sind etwa Enzyme, die bei
Paprika zu einem Farbverlust nach der Zerkleinerung und während der Lagerung
führen oder bei anderen Pflanzen zu Einbußen im Aroma." Anders als bei
Senf, Meerrettich oder Pesto, die bereits heute in Pastenform angeboten werden,
glauben die Forscher mit ihrer neuen Herangehensweise ohne Zusätze von Salz
oder Öl auszukommen. Ob diese sich durchsetzen kann, wird vor allem von der
erzielbaren Haltbarkeit abhängen. "Die Produkte in ungeöffneten
Verpackungen sollen bis zu sechs Monate haltbar sein. Zwei bis vier Wochen ab
dem Zeitpunkt der Öffnung ist realistisch, wenn die Paste gekühlt bleibt. Das
ist freilich viel weniger als die monate- oder jahrelange Haltbarkeitsdauer
bestimmter Trockengewürze, die bei richtiger Lagerung erreicht werden
kann", gibt Kammerer zu bedenken.
Ein weiterer Knackpunkt
bildet die Akzeptanz beim Konsumenten, die ebenfalls getestet wird. "Bei
Gewürzpasten handelt es sich um völlig neue Produkte mit sensorischen
Eindrücken, die bisher noch unbekannt sind", so der Lebensmittelforscher.
Zeigen die Tests den gewünschten Erfolg, könne man etwa im Jahr 2012 mit ersten
Umsetzungen in Produkten rechnen. Gewürzhersteller, die als Industriepartner in
der Forschung beteiligt sind, hoffen auf eine rasche Umsetzung besonders in
fleischverarbeitenden Betrieben. "Hier ist eine hohe Akzeptanz zu
erwarten, da durch die Methode die Verklumpung der Gewürze ausgeschlossen
werden kann", schätzt Kammerer. (pte)