Frankfurt am Main. Das Testzentrum
Lebensmittel der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hat jetzt
die Testergebnisse seiner Internationalen Qualitätsprüfung für
Speiseöle veröffentlicht. Im Test waren Olivenöle nativ extra,
kaltgepresste Rapsöle sowie weitere kaltgepresste Speiseöle. Die Öle
wurden einer umfassenden sensorischen Prüfung sowie produktspezifischen
Labortests unterzogen. Von den 76 getesteten Produkten erhielten 48
eine DLG-Prämierung. Die
DLG-Experten testeten Speiseöle von 33 Herstellern aus fünf Ländern. Im
Mittelpunkt der Prüfung stand die Bewertung der sensorischen
Produktqualität, d.h. die Fehlerfreiheit hinsichtlich des Geruchs,
Geschmacks sowie die Fruchtigkeit und Ausgewogenheit der Speiseöle.
Laboranalysen ergänzten die sensorischen Tests. Die DLG-Prüfungen
beinhalteten eine produktspezifische Beschreibung der
Merkmalseigenschaften bzw. Mängelansprachen mit anschließender
Bewertung durch die DLG-5-Punkte-Prüfschemata. Diese wurden von
führenden Experten zum einen für Olivenöl, zum anderen für Raps-,
Sonnenblumen- und Kürbiskernöl entwickelt.
Olivenöle im Mittelpunkt der Tests
Olivenöl nativ extra ist seit einigen Jahren der Inbegriff für eine
aromatische und gesunde Küche. Vor allem die einfache
Herstellungsweise, die auf die Verwendung von Lösungsmitteln bei der
Extraktion verzichtet sowie der typische Geruch und Geschmack führen
dazu, dass Olivenöl in der Gunst der Verbraucher ganz vorne steht. Rund
60.000 Tonnen Olivenöl konsumieren die deutschen Haushalte jährlich.
"Ein großes Problem für Verbraucher besteht jedoch darin, dass die
sensorische Qualität von Olivenölen sehr unterschiedlich sein kann",
erläutert der wissenschaftliche Leiter Dr. Ludger Brühl, vom Max
Rubner-Institut in Münster, die Bedeutung der sensorischen Prüfung.
"Denn es gibt zahlreiche Faktoren, die die Qualität von Olivenölen
beeinflussen können. Dazu zählen neben der Sorte, der Zustand der
Oliven wie Reife, die Wasserversorgung beim Wuchs, der Anteil von
angefaulten oder von Schädlingen befallenen Früchten sowie von
Fremdkörpern wie Laub oder Aststückchen, die Art und Dauer der Lagerung
nach der Ernte bis zur Verarbeitung sowie die Sauberkeit der Anlagen
bei der Verarbeitung." Um die Güteklasse eines nativen Olivenöls zu
bestimmen, sei die sensorische Prüfung entscheidend. Denn es könne
große Qualitätsunterschiede im Geschmack, Geruch, der Harmonie und der
Dauerhaftigkeit geben.
Sensorische Prüfung
Die Farbtöne eines Olivenöls können von grün bis goldgelb variieren. Im
ungefilterten Zustand kann es auch trüb sein. Da die Farbe keinen
Einfluss auf die Qualität eines Öls hat, verkosten die DLG-Experten die
Proben in blau eingefärbten Gläsern. Dafür werden etwa zwei Esslöffel
Öl in ein Glas gefüllt. Danach wird das Glas mit einem Deckel
abgedeckt. Im ersten Schritt erfolgt dann die geruchliche Beurteilung
der Olivenölprobe. Dafür wird das Glas in der Hand leicht geschwenkt,
so dass das Öl die Innenwände des Glases benetzt und durch die
vergrößerte Oberfläche sich die Aromastoffe im Kopfraum anreichern. Der
Deckel wird abgenommen, und die Qualität sowie die Intensität des
Geruchs wie auch die Fruchtigkeit werden beurteilt. In der folgenden
Geschmacksprüfung wird ein kleiner Schluck des Öls im Mund und im
gesamten Gaumenbereich verteilt. So lassen sich die fruchtigen
Aromanoten noch besser wahrnehmen. Sie können je nach den bei der
Herstellung verarbeiteten Olivensorten einen unterschiedlichen
Charakter aufweisen, wie zum Beispiel nach Tomatenkraut, Mandel oder
Artischocke. Besonders in Ölen aus grünen Oliven sind auch Scharfstoffe
und Bitternoten festzustellen, die sich im Laufe der Lagerung langsam
abbauen und somit ein Zeichen für die Frische der Öle sein können. Sie
sollen allerdings in einem ausgewogenen Verhältnis zur Fruchtigkeit des
Öles stehen. Sonst stellt sich der Verdacht, dass hier ein altes Öl mit
frischem Öl vermischt wurde oder dass ein besonders starker
Bittergeschmack andere Geschmacksfehler maskieren soll.
Rückschlüsse auf Produktionsfehler möglich
Die sensorische Expertenanalyse lässt zahlreiche Rückschlüsse auf
mangelnde Rohstoffqualität bzw. Produktionsfehler zu. So weist ein
"modrig-stichiges" bzw. "säuerlich, weinartiges" Aroma bei den Ölen
darauf hin, dass die Oliven mit Bakterien, Schimmelpilzen oder Hefen
befallen waren. Eine Ursache dafür kann die fehlerhafte Lagerung der
druckempfindlichen Früchte während der Erntekampagne in zu großen
Schichtdicken sein und zu alte Öle fallen durch eine ranzige Note auf.
Beim Auftreten dieser Fehler, auch in einer schwachen Intensität,
konnten die DLG-Experten keine Prämierung aussprechen. Für die Vergabe
der DLG-Medaillen spielte vor allem die Ausgewogenheit der Öle eine
große Rolle, denn nur im harmonischen Zusammenspiel aller sensorischen
Merkmale kann das Öl seinen Genusswert voll entfalten.
Fazit der Qualitätstests
Von den 76 getesteten Speiseölen erhielten 18 eine goldene, 19 eine
silberne und elf eine bronzene DLG-Medaille. Allerdings wurden auch 28
Produkte von den DLG-Experten nicht prämiert. Vor allem
Ausschlusskriterien, die auf Mängel in der Verarbeitung der Saaten bzw.
Oliven zurückzuführen sind, führten hier zu Abwertungen.
Alle Testergebnisse sind im Internet unter
www.DLG.org/speiseoeltest veröffentlicht.